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Frühe Einbindung des planungs- und baubegleitendem FM

Facility Management: Planungs- und Baubegleitung » Grundlagen » Rollen » Einbindung pbFM

Einbindung des pbFM in Bauprojekte für nachhaltigen Gebäudebetrieb

Die Notwendigkeit einer frühen Einbindung des pbFM

Planungs- und baubegleitendes Facility Management (pbFM) entfaltet seinen größten Nutzen, wenn es bereits in der Projektinitiierung und nicht erst kurz vor der Fertigstellung einbezogen wird. Seine Aufgabe besteht darin, die Anforderungen des späteren Nutzens und Betreibens von Anfang an in die Projektentwicklung, Planung und Realisierung zu integrieren. Eine späte Beteiligung kann zwar noch Mängel erkennen, Dokumentationen einfordern oder die Inbetriebnahme unterstützen. Grundlegende Defizite des Gebäudekonzepts lassen sich dann jedoch häufig nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht mehr korrigieren.

FM frühzeitig in Bauprojekte integrieren

Betriebsanforderungen vor Planungsbeginn klären

Planer können nur solche betrieblichen Anforderungen berücksichtigen, die rechtzeitig, eindeutig und prüfbar formuliert wurden. Zu Beginn eines Projekts müssen daher nicht nur Flächen, Funktionen und Investitionsbudgets festgelegt werden. Ebenso notwendig sind Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit, Instandhaltung, Reinigung, Energieeffizienz, Logistik, Bedienbarkeit, Betreiberorganisation und Digitalisierung.

Das pbFM übersetzt die Bedürfnisse von Kerngeschäft, Nutzern und Betreiberorganisation in planungsfähige Anforderungen. Dazu gehören beispielsweise zulässige Ausfallzeiten, Redundanzanforderungen, Wartungszugänge, Austauschwege, Raum- und Anlagenkennzeichnungen, Messkonzepte sowie Daten- und Dokumentationsstandards. Werden diese Anforderungen erst während der Ausführung oder bei der Übergabe benannt, gelten sie häufig als zusätzliche Leistung und führen zu Nachträgen, Terminrisiken oder unbefriedigenden Kompromissen.

Nutzungsgerechte und flexible Lösungen entwickeln

Immobilien werden über viele Jahrzehnte genutzt, während sich Organisation, Prozesse, Technik und Belegungsstrukturen deutlich schneller verändern. Eine frühe FM-Beteiligung hilft deshalb, nicht nur die erste Nutzung, sondern auch spätere Anpassungen zu berücksichtigen.

Flexibilität entsteht beispielsweise durch geeignete Gebäuderaster, anpassbare Flächenstrukturen, ausreichende technische Reserven, modular aufgebaute Anlagen und klar definierte Systemgrenzen. Solche Eigenschaften lassen sich in frühen Planungsphasen vergleichsweise wirtschaftlich berücksichtigen. Nach Fertigstellung erfordern sie meist tiefgreifende Umbauten.

Das pbFM stellt dabei kein abstraktes Maximum an Flexibilität sicher. Es bewertet, welche Anpassungsfähigkeit aufgrund des Geschäftsmodells, der Nutzungsdauer und realistischer Veränderungsszenarien tatsächlich benötigt wird.

Integrale Planung praktisch wirksam machen

Gebäudefunktionen entstehen durch das Zusammenspiel zahlreicher Fachdisziplinen. Architektur, Tragwerk, technische Gebäudeausrüstung, Brandschutz, Sicherheitstechnik, Gebäudeautomation, IT und spätere Betriebsorganisation können nicht isoliert betrachtet werden.

Das pbFM stärkt die integrale Planung, indem es die Auswirkungen einzelner Entscheidungen auf den Gesamtbetrieb sichtbar macht. Eine technische Anlage muss nicht nur die geforderte Leistung erbringen, sondern auch zugänglich, prüfbar, bedienbar, dokumentierbar und in die Betriebsprozesse integrierbar sein. Ebenso müssen Wechselwirkungen zwischen Anlagen erkannt werden. Ein Eingriff in die Gebäudeautomation kann beispielsweise Auswirkungen auf Raumklima, Energieverbrauch, Brandschutzfunktionen und Störungsmanagement haben.

Frühzeitige interdisziplinäre Abstimmungen reduzieren Schnittstellenlücken und verhindern, dass widersprüchliche Anforderungen erst während der Inbetriebnahme auffallen.

Ressourcen und Lebenszykluskosten optimieren

Die Herstellungskosten bilden nur einen Teil der wirtschaftlichen Gesamtwirkung einer Immobilie. Über die Nutzungsdauer entstehen erhebliche Kosten für Energie, Personal, Wartung, Prüfung, Reinigung, Instandsetzung und Ersatzinvestitionen. Hinzu kommen mögliche Kosten aus Betriebsunterbrechungen oder Einschränkungen des Kerngeschäfts.

Eine frühe Einbindung des pbFM ermöglicht es, Planungsvarianten anhand ihrer Lebenszykluswirkung zu vergleichen. Dadurch können Investitionen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie dauerhaft Betriebskosten, Ressourcenverbrauch oder Risiken senken. Nutzungsgerechte Planung bedeutet folglich nicht zwangsläufig höhere Baukosten. Häufig entstehen wirtschaftliche Lösungen gerade durch Vereinfachung, Standardisierung und die Vermeidung überdimensionierter oder unnötig komplexer Technik.

Informationsqualität von Anfang an sichern

Ein geordneter Betrieb benötigt vollständige und konsistente Informationen. Dazu zählen Anlagenstammdaten, technische Unterlagen, Prüfberichte, Wartungsvorgaben, Gewährleistungsdaten und eindeutige Kennzeichnungen. Diese Informationen lassen sich am zuverlässigsten erzeugen, wenn ihre Struktur und Qualität bereits vor Ausschreibung und Vergabe verbindlich festgelegt werden.

Wird die Dokumentation erst bei Projektende thematisiert, fehlen häufig Daten oder sie liegen in uneinheitlichen Formaten vor. Das pbFM definiert deshalb frühzeitig, welche Informationen von wem, wann, in welcher Qualität und für welche Zielsysteme bereitzustellen sind.

FM-Kompetenz als kontinuierlicher Projektbestandteil

Die frühe Einbindung darf sich nicht auf einzelne Prüfungen oder Workshops beschränken. Erforderlich ist eine kontinuierliche FM-Kompetenz mit klaren Rollen, Entscheidungswegen und Beteiligung an den relevanten Meilensteinen.

Das pbFM ist dabei weder zusätzliche Bauleitung noch nachträgliche Kontrollinstanz. Es vertritt die langfristige Nutzungs- und Betreiberperspektive im Projekt. Nur wenn diese Perspektive von Anfang an berücksichtigt wird, können Nutzungsqualität, Betriebsfähigkeit, Kosten und Ressourceneinsatz gemeinsam optimiert und der Übergang vom Bau in einen stabilen Regelbetrieb zuverlässig vorbereitet werden.