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Level(s)

Facility Management: Planungs- und Baubegleitung » Bauen » Zertifizierung & Nachweise » Level(s)

Level(s) als EU-weite gemeinsame Sprache für Gebäudeleistung

Level(s) ist ein europäisches Bewertungs- und Berichtsrahmenwerk, das die Nachhaltigkeitsleistung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus strukturiert, vergleichbar macht und in Planung, Bau, Auditierung und Betrieb anwendbar macht. Aus Sicht des Facility Managements ist Level(s) besonders relevant, weil Gebäudequalität nicht mit der Fertigstellung endet, sondern erst im Betrieb dauerhaft nachweisbar wird. Der Rahmen verbindet Umweltwirkung, Ressourceneffizienz, Innenraumqualität, Klimarisiken, Lebenszykluskosten und langfristigen Gebäudewert über sechs Makroziele und sechzehn Indikatoren. Damit entsteht eine gemeinsame fachliche Sprache für Bauherrn, Planer, Behörden, Auditoren, Investoren und Betreiber, die nachhaltiges Bauen nicht nur beschreibt, sondern in messbare Anforderungen, prüfbare Nachweise und betriebliche Steuerungsgrößen übersetzt.

Level(s) als Standard für Gebäudeleistung

Einordnung von Level(s) in die Planungs- und Baubegleitung

Level(s) dient in der Planungs- und Baubegleitung als methodischer Ordnungsrahmen, um Nachhaltigkeitsanforderungen frühzeitig, systematisch und überprüfbar in ein Bauprojekt einzubinden. Der Rahmen unterstützt nicht nur die Bewertung einzelner Umweltaspekte, sondern stellt sicher, dass Entwurf, technische Planung, Ausführung, Übergabe und Betrieb auf einer gemeinsamen Leistungslogik beruhen. Für ein professionelles Facility Management ist dies entscheidend, weil viele spätere Betriebsrisiken bereits in der frühen Planung entstehen, etwa durch ungeeignete technische Konzepte, fehlende Messpunkte, unvollständige Dokumentation oder schwer wartbare Anlagen.

Im Kontext des zukunftsfähigen Bauens verbindet Level(s) strategische Nachhaltigkeitsziele mit konkreten Planungsentscheidungen. Planungsvarianten können dadurch nicht nur anhand der Errichtungskosten bewertet werden, sondern auch nach Lebenszykluswirkungen, CO₂-Relevanz, Ressourcenverbrauch, Wartungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Nutzerkomfort und langfristiger Betriebsstabilität. Eine solche Betrachtung verhindert, dass kurzfristige Einsparungen in der Bauphase zu dauerhaft höheren Kosten, erhöhtem Energieverbrauch oder eingeschränkter Nutzungsqualität führen.

Level(s) ist dabei nicht als isoliertes Zertifikat zu verstehen, sondern als strukturierte Bewertungs- und Berichtssystematik. Der praktische Wert liegt darin, dass Projektbeteiligte eine einheitliche Grundlage erhalten, um Ziele zu definieren, Nachweise zu führen, Planungsentscheidungen zu dokumentieren und die spätere Gebäudeperformance zu überprüfen. Besonders in komplexen Projekten mit mehreren Fachdisziplinen schafft diese gemeinsame Sprache Transparenz und reduziert Interpretationsspielräume.

Zielsetzung für Bauherrn, Planung und Auditierung

Für Bauherrn schafft Level(s) eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage. Nachhaltigkeitsanforderungen werden nicht allgemein formuliert, sondern in Indikatoren, Zielwerte, Datenanforderungen und Prüfschritte übersetzt. Dadurch kann der Auftraggeber früh festlegen, welche Leistungsqualität das Gebäude erreichen soll, welche Informationen erforderlich sind und welche Nachweise in welcher Projektphase zu liefern sind.

Für die Planung bietet Level(s) eine strukturierte Bewertungsmethodik. Architekten, Fachplaner und Nachhaltigkeitskoordinatoren können Energiebedarf, Materialeinsatz, Innenraumkomfort, Wasserverbrauch, Klimarisiken, Rückbaubarkeit und Lebenszykluskosten abgestimmt betrachten. Dies erleichtert die Auswahl geeigneter Materialien, technischer Systeme und konstruktiver Lösungen. Gleichzeitig wird sichtbar, wo Zielkonflikte bestehen, etwa zwischen Investitionskosten und späterem Wartungsaufwand oder zwischen hoher technischer Komplexität und betrieblicher Robustheit.

Für Auditierung, öffentliche Nachweisführung und interne Governance ist Level(s) ebenfalls relevant. Der Rahmen unterstützt eine prüffähige Dokumentation, weil Berechnungsmethoden, Systemgrenzen, Datenquellen und Verantwortlichkeiten klar festgelegt werden müssen. Damit können Nachhaltigkeitsangaben belastbarer beurteilt werden. Für Betreiber und Facility Manager entsteht zusätzlich der Vorteil, dass die erforderlichen Betriebsinformationen bereits vor Übergabe definiert werden und nicht erst nach Fertigstellung mühsam rekonstruiert werden müssen.

Verbindung zu EU-Nachhaltigkeitszielen und Marktanforderungen

Level(s) steht im Zusammenhang mit europäischen Nachhaltigkeitszielen, insbesondere mit Ressourceneffizienz, Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft, nachhaltiger Finanzierung, öffentlicher Beschaffung und transparenter Berichterstattung. Für Bauprojekte bedeutet dies, dass Nachhaltigkeit nicht mehr als freiwillige Zusatzleistung betrachtet werden sollte, sondern als integraler Bestandteil von Planung, Investitionsentscheidung, Risikoanalyse und Betrieb.

Der Markt fordert zunehmend belastbare Daten zur Gebäudeperformance. Investoren, öffentliche Auftraggeber, Nutzer und Betreiber erwarten nachvollziehbare Informationen zu CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Materialqualität, Innenraumkomfort, Klimarisiken und Lebenszykluskosten. Level(s) bietet hierfür eine fachliche Struktur, mit der solche Informationen vergleichbar und prüfbar aufbereitet werden können. Dies ist besonders wichtig, wenn Gebäude in ESG-Berichte, nachhaltige Finanzierungsstrategien oder öffentliche Vergabeverfahren eingebunden sind.

Für Facility Management und Betreiberorganisationen liegt die besondere Relevanz darin, dass viele Nachhaltigkeitsziele erst im Betrieb sichtbar werden. Ein geplantes Energiekonzept ist nur dann wirksam, wenn Anlagen korrekt in Betrieb genommen, geregelt, gewartet und überwacht werden. Ein hoher Innenraumkomfort entsteht nur, wenn Lüftung, Temperatur, Licht, Akustik und Nutzeranforderungen im Betrieb zusammengeführt werden. Level(s) unterstützt deshalb die Brücke zwischen planerischem Anspruch und tatsächlicher Performance.

Beitrag zur langfristigen Gebäudeperformance

Zukunftsfähiges Bauen erfordert eine Lebenszyklusperspektive. Gebäude müssen nicht nur zum Zeitpunkt der Fertigstellung leistungsfähig sein, sondern über viele Jahre wirtschaftlich, anpassungsfähig, ressourcenschonend und nutzergerecht betrieben werden können. Level(s) hilft, diese langfristige Sichtweise früh in die Projektsteuerung einzubinden.

Der Rahmen betrachtet die Errichtungsphase, die Nutzung, die Instandhaltung, spätere Anpassungen, den Rückbau und die Wiederverwertung von Materialien. Dadurch werden Entscheidungen transparenter, die sich erst langfristig auswirken. Dazu zählen beispielsweise die Wahl langlebiger Bauteile, die Zugänglichkeit technischer Anlagen, die Trennbarkeit von Materialien, die Flexibilität von Grundrissen, die Qualität der Gebäudeautomation und die Verfügbarkeit vollständiger Dokumentationsdaten.

Aus Facility-Management-Sicht verbessert Level(s) die Steuerbarkeit der Gebäudeperformance. Wenn Zielwerte, Messkonzepte und Verantwortlichkeiten bereits in der Planung definiert werden, kann der Betrieb später Soll-Ist-Abgleiche durchführen, Abweichungen erkennen und Optimierungsmaßnahmen gezielt einleiten. Das Gebäude wird dadurch nicht nur übergeben, sondern in einen kontrollierten, messbaren und kontinuierlich verbesserbaren Betriebszustand überführt.

Primäre Zielgruppen

Level(s) richtet sich an alle Akteure, die die Leistung eines Gebäudes planen, bewerten, finanzieren, betreiben oder politisch steuern. Dazu gehören Bauherrn, Investoren, Projektsteuerer, Architekten, Fachplaner, Energieberater, Nachhaltigkeitsberater, Auditoren, Behörden, öffentliche Beschaffer, Facility Manager und Betreiberorganisationen.

Für Bauherrn und Investoren unterstützt Level(s) die Definition von Projektzielen und Entscheidungsgrundlagen. Für Planer dient der Rahmen als strukturierte Methode zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Entwurf, Konstruktion und technische Gebäudeausrüstung. Für Behörden und öffentliche Beschaffer kann Level(s) eine nachvollziehbare Grundlage für Anforderungen, Bewertungskriterien und Nachweisprozesse schaffen. Für Auditoren verbessert der Rahmen die Prüfbarkeit der Daten und Methoden.

Für Facility Manager ist Level(s) besonders wertvoll, weil der Rahmen frühzeitig klärt, welche Informationen für den späteren Betrieb erforderlich sind. Dazu zählen technische Dokumentationen, Zählerkonzepte, Wartungsinformationen, Materialdaten, Lebensdauerangaben, Komfortparameter und Monitoringstrukturen. Facility Management sollte daher nicht erst bei der Übergabe eingebunden werden, sondern bereits in der Planungsphase Anforderungen an Betriebsfähigkeit, Wartbarkeit und Datenqualität formulieren.

Anwendung in Neubau, Sanierung und Bestand

Level(s) kann bei Neubauten, größeren Renovierungen und bestehenden Gebäuden angewendet werden. Im Neubau unterstützt der Rahmen die frühzeitige Zieldefinition und die Bewertung von Planungsvarianten. Bei Sanierungen hilft er, Maßnahmen nach Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Nutzerkomfort, Klimaanpassung und Lebenszykluskosten zu priorisieren. Im Bestand kann Level(s) genutzt werden, um vorhandene Gebäude systematisch zu analysieren und Verbesserungspotenziale abzuleiten.

In frühen Projektphasen steht die Festlegung der Zielrichtung im Vordergrund. Es wird entschieden, welche Indikatoren für das Gebäude wesentlich sind, welche Daten verfügbar sein müssen und welche Zielwerte angestrebt werden. In der Entwurfs- und Ausführungsplanung wird geprüft, ob die gewählten Lösungen diese Ziele unterstützen. In der Bauphase werden Nachweise, Produktdaten, Materialmengen und Qualitätsprüfungen dokumentiert. In der Übergabe- und Nutzungsphase geht es schließlich um die tatsächliche Performance des Gebäudes.

Für Bestandsgebäude ist eine pragmatische Vorgehensweise erforderlich, da Daten häufig unvollständig oder unterschiedlich dokumentiert sind. In solchen Fällen sollte zunächst eine belastbare Datengrundlage geschaffen werden. Dazu gehören Flächen, Verbrauchswerte, technische Anlagen, Wartungszustände, Nutzeranforderungen, klimatische Risiken und vorhandene Materialinformationen. Auf dieser Basis können Maßnahmen priorisiert und in ein langfristiges Verbesserungsprogramm überführt werden.

Sechs Makroziele als Strukturrahmen

Die sechs Makroziele bilden die strategische Bewertungslogik von Level(s). Sie decken zentrale Nachhaltigkeitsdimensionen eines Gebäudes ab und ermöglichen eine strukturierte Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus. Dazu gehören Treibhausgasemissionen, ressourceneffiziente Materialflüsse, Wasserressourcen, gesunde und komfortable Innenräume, Anpassung an den Klimawandel sowie Lebenszykluskosten und langfristiger Wert.

Das erste Makroziel bezieht sich auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus des Gebäudes. Dabei werden sowohl Energieverbräuche im Betrieb als auch Emissionen aus Materialien, Bauprozessen, Instandhaltung und Rückbau betrachtet. Das zweite Makroziel fokussiert auf Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Hier geht es um Materialmengen, Lebensdauern, Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recyclingfähigkeit und Rückbaubarkeit.

Das dritte Makroziel betrifft den effizienten Umgang mit Wasserressourcen. Dies umfasst den Wasserverbrauch im Betrieb sowie die Eignung der technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Verbrauchssteuerung. Das vierte Makroziel betrachtet Gesundheit und Komfort der Nutzer, insbesondere Innenraumluftqualität, thermischen Komfort, Lichtqualität und Akustik. Das fünfte Makroziel adressiert Klimarisiken und die Widerstandsfähigkeit des Gebäudes gegenüber Hitze, Starkregen, Überschwemmung, Trockenheit oder anderen standortbezogenen Belastungen. Das sechste Makroziel verbindet Lebenszykluskosten, Werterhalt und langfristige wirtschaftliche Stabilität.

Indikatoren als gemeinsame Bewertungsbasis

Die sechzehn Indikatoren übersetzen die Makroziele in konkrete Bewertungsfelder. Sie machen die Gebäudeleistung messbar und helfen, Planungs- und Betriebsinformationen systematisch aufzubereiten. Zu den zentralen Indikatoren gehören die Energieperformance in der Nutzungsphase, das Treibhauspotenzial über den Lebenszyklus, Materialmengen und Lebensdauern, Bau- und Abbruchabfälle, Anpassungsfähigkeit, Rückbau- und Wiederverwendungspotenziale, Wasserverbrauch, Innenraumluftqualität, thermischer Komfort, Lichtqualität, Akustik, Klimarisiken, nachhaltige Entwässerung, Lebenszykluskosten sowie wert- und risikobezogene Faktoren.

Für die praktische Anwendung ist entscheidend, dass jeder Indikator eindeutig beschrieben wird. Es muss festgelegt werden, welche Systemgrenzen gelten, welche Datenquellen genutzt werden, welche Berechnungsmethode angewendet wird und wer für die Qualität der Informationen verantwortlich ist. Ohne diese Festlegung können Kennzahlen zwar erzeugt werden, verlieren aber an Aussagekraft und Vergleichbarkeit.

Aus Sicht des Facility Managements sollten die Indikatoren nicht nur als Planungskennzahlen verstanden werden. Sie müssen so aufgebaut werden, dass sie im Betrieb überprüft und fortgeschrieben werden können. Beispielsweise sollte ein Energiekennwert mit einem geeigneten Zählerkonzept verbunden sein. Komfortindikatoren sollten mit Messpunkten, Beschwerdeprozessen und Regelungsstrategien verknüpft werden. Materialindikatoren sollten in einer Form dokumentiert werden, die spätere Instandhaltung, Austauschplanung und Rückbaustrategien unterstützt.

Die drei Anwendungsebenen

Level(s) unterscheidet verschiedene Anwendungstiefen, die sich an der Projektphase und der verfügbaren Datenqualität orientieren. Auf der konzeptionellen Ebene werden Ziele, Prioritäten und qualitative Bewertungen festgelegt. Diese Ebene ist besonders in frühen Projektphasen hilfreich, wenn noch nicht alle technischen Details vorliegen, aber wesentliche Entscheidungen zur Gebäudestrategie getroffen werden müssen.

In der detaillierten Planungs- und Bauphase werden die Anforderungen in quantitative Nachweise, Berechnungen und Variantenvergleiche überführt. Hier entstehen belastbare Kennzahlen zu Energie, CO₂, Materialien, Wasser, Komfort, Klimarisiken und Kosten. Diese Ebene erfordert eine enge Abstimmung zwischen Architektur, Fachplanung, Nachhaltigkeitskoordination, Projektsteuerung und Bauherr.

In der As-built- und Nutzungsphase werden tatsächliche Gebäudeinformationen und Betriebsdaten betrachtet. Dabei wird geprüft, ob die ausgeführte Qualität den geplanten Zielen entspricht und ob die reale Performance im Betrieb die erwarteten Werte erreicht. Diese Ebene ist für das Facility Management besonders wichtig, da sie den Übergang von der Dokumentation zur aktiven Betriebssteuerung ermöglicht. Abweichungen zwischen Planung und Betrieb werden sichtbar und können durch Inbetriebnahmeoptimierung, Regelungsanpassung, Wartung oder Nutzerkommunikation bearbeitet werden.

Frühe Zieldefinition

Eine professionelle Level(s)-Anwendung beginnt mit einer klaren Zieldefinition in der Projektvorbereitung. Zu diesem Zeitpunkt sollte festgelegt werden, welche Makroziele und Indikatoren für das Vorhaben wesentlich sind. Dabei sind Gebäudetyp, Nutzungsprofil, Standort, regulatorische Anforderungen, Förderlogiken, ESG-Berichtspflichten, Klimarisiken, Budgetrahmen, Datenverfügbarkeit und spätere Betriebsziele zu berücksichtigen.

Die Zieldefinition sollte nicht allgemein bleiben. Erforderlich sind konkrete Zielwerte, Verantwortlichkeiten und Nachweisanforderungen. Wenn beispielsweise der Energieverbrauch im Betrieb reduziert werden soll, müssen auch das Energiekonzept, die Messstruktur, die Anforderungen an Gebäudeautomation, die Inbetriebnahmeprozesse und die Zuständigkeiten im Betrieb beschrieben werden. Wenn Anpassungsfähigkeit ein Ziel ist, müssen Grundrissflexibilität, technische Reserven, Rückbaubarkeit und Nutzungsänderungen planerisch berücksichtigt werden.

Facility Management sollte in dieser Phase beratend eingebunden werden. Die Betreiberperspektive hilft, unrealistische Annahmen zu vermeiden und spätere Betriebsanforderungen frühzeitig in die Planung einzubringen. Dies betrifft insbesondere Wartungszugänglichkeit, Ersatzteilstrategien, Bedienbarkeit technischer Anlagen, Reinigungsfähigkeit, Sicherheitsanforderungen, Verbrauchserfassung und digitale Dokumentation.

Integration in Planungsentscheidungen

In der Planung dient Level(s) als Bewertungsraster für Variantenentscheidungen. Unterschiedliche Lösungen können anhand ihrer Auswirkungen auf Energiebedarf, CO₂-Emissionen, Materialeinsatz, Wasserverbrauch, Komfort, Kosten, Wartbarkeit und Anpassungsfähigkeit verglichen werden. Dadurch entsteht eine fundiertere Entscheidungsgrundlage als bei einer rein investitionskostenorientierten Betrachtung.

Die Integration in Planungsentscheidungen erfordert, dass Nachhaltigkeitsziele in die regulären Projektprozesse eingebettet werden. Zielwerte müssen in Planungsbesprechungen, Freigaben, Ausschreibungsunterlagen und Änderungsprozesse einfließen. Wenn beispielsweise ein Material ausgetauscht wird, muss geprüft werden, ob sich dadurch CO₂-Bilanz, Lebensdauer, Wartungsaufwand, Rückbaubarkeit oder Innenraumqualität verändern. Wenn ein technisches System vereinfacht wird, muss bewertet werden, ob Komfort, Monitoringfähigkeit und Energieperformance weiterhin erreichbar sind.

Aus Sicht des Facility Managements ist besonders wichtig, dass Betriebsfähigkeit als Planungsanforderung verstanden wird. Anlagen müssen zugänglich, wartbar, verständlich dokumentiert und wirtschaftlich betreibbar sein. Ein nachhaltiges Gebäude ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern im Alltag stabil, kontrollierbar und für die Betreiberorganisation beherrschbar.

Baubegleitende Nachweisführung

Während der Ausführung muss sichergestellt werden, dass die geplanten Nachhaltigkeitsqualitäten tatsächlich umgesetzt werden. Die baubegleitende Nachweisführung umfasst Produktdaten, Materialnachweise, Umweltproduktinformationen, Mengenfortschreibungen, Abfallnachweise, Prüfprotokolle, Inbetriebnahmedokumentation, Messkonzepte und Übergabeunterlagen. Diese Informationen sollten nicht erst am Projektende gesammelt werden, sondern kontinuierlich und prüffähig während der Bauphase.

Ein besonderes Risiko besteht in Produktwechseln, Materialsubstitutionen und Ausführungsänderungen. Solche Änderungen können Auswirkungen auf CO₂-Bilanz, Innenraumluftqualität, Lebensdauer, Rückbaubarkeit, Wartung und Kosten haben. Daher sollte jede relevante Änderung dokumentiert, fachlich bewertet und formal freigegeben werden. Nur so bleibt die spätere Audit- und Berichtsfähigkeit erhalten.

Die baubegleitende Kontrolle sollte eng mit Qualitätsmanagement, Terminsteuerung und Kostenkontrolle verbunden sein. Nachhaltigkeitsnachweise dürfen nicht als separates Verwaltungsthema behandelt werden. Sie sind Bestandteil der Projektqualität. Für das Facility Management ist vor allem entscheidend, dass die ausführungsbezogenen Daten später nutzbar sind, etwa für Wartungsplanung, Betreiberpflichten, Ersatzteilmanagement, Materialkataster und Betriebsoptimierung.

Übergabe in Betrieb und Monitoring

Die Übergabe in den Betrieb ist ein kritischer Punkt im Level(s)-Prozess. Viele Performance-Probleme entstehen, weil Planungs- und Ausführungsinformationen nicht vollständig, nicht verständlich oder nicht nutzbar an die Betreiberorganisation übergeben werden. Daher muss früh definiert werden, welche Daten, Dokumente, Schulungen und Prüfungen für eine ordnungsgemäße Betriebsaufnahme erforderlich sind.

Für den Betrieb sind insbesondere Energie-, Wasser-, Komfort-, Wartungs- und Anlagendaten relevant. Dazu gehören Verbrauchszähler, Messpunkte, Regelungsparameter, Wartungsintervalle, Betriebsanleitungen, Inbetriebnahmeprotokolle, Materialinformationen, Gewährleistungsdaten und Verantwortlichkeiten für Datenpflege. Diese Informationen sollten in einer Form bereitgestellt werden, die für CAFM-Systeme, Gebäudeautomation, Energiemanagement und Betreiberpflichten nutzbar ist.

Monitoring ist die Grundlage für kontinuierliche Verbesserung. Nach der Übergabe sollten Soll-Ist-Abgleiche durchgeführt werden, um Performance-Gaps zu erkennen. Abweichungen können durch fehlerhafte Einstellungen, Nutzerverhalten, unzureichende Wartung, falsche Betriebszeiten oder technische Mängel entstehen. Level(s) unterstützt eine strukturierte Auswertung dieser Abweichungen und ermöglicht es, Verbesserungsmaßnahmen nachvollziehbar zu priorisieren.

Planungs- und Gebäudedaten

Für eine belastbare Level(s)-Anwendung werden vollständige und konsistente Planungs- und Gebäudedaten benötigt. Dazu gehören Gebäudeflächen, Nutzungsarten, Belegungsprofile, technische Anlagen, Energiekonzepte, Baustoffe, Bauteile, Mengen, Lebensdauern, Rückbaustrategien, Innenraumparameter, Wasserbedarf, Entwässerung, Standort- und Klimarisiken sowie Kostenansätze über den Lebenszyklus.

Die Datenbasis sollte so aufgebaut sein, dass sie projektübergreifend nachvollziehbar bleibt. Flächenangaben müssen eindeutig definiert sein, Nutzungsannahmen sollten dokumentiert werden und technische Kennwerte müssen mit Planständen und Berechnungsständen verknüpft sein. Besonders bei LCA- und LCC-Betrachtungen ist eine klare Systemgrenze erforderlich, damit Ergebnisse vergleichbar und prüfbar bleiben.

Facility Management benötigt zusätzlich betriebsrelevante Daten. Dazu zählen Wartungsanforderungen, Zugänglichkeiten, Anlagenkennzeichnungen, Ersatzteilinformationen, Reinigungsanforderungen, Prüfpflichten, Zählerstrukturen, Automationsdaten und Verantwortlichkeiten. Je früher diese Informationen in die Datenanforderungen aufgenommen werden, desto besser kann die spätere Betriebsorganisation vorbereitet werden.

Nachweise und Dokumentationsquellen

Wesentliche Dokumentationsquellen sind Planungsunterlagen, Energieberechnungen, Lebenszyklusanalysen, Materiallisten, Produktdatenblätter, Umweltproduktdeklarationen, Abfallkonzepte, Rückbau- und Wiederverwendungsstrategien, Inbetriebnahmeprotokolle, Mess- und Monitoringkonzepte, Wartungsunterlagen und digitale Gebäudedatenmodelle.

Die Dokumentation muss prüffähig sein. Das bedeutet, dass Nachweise eindeutig einem Bauteil, einer Anlage, einem Material, einem Planstand oder einer Berechnung zugeordnet werden können. Pauschale Aussagen sind für eine belastbare Bewertung nicht ausreichend. Es muss erkennbar sein, welche Daten verwendet wurden, wer sie bereitgestellt hat, wann sie geprüft wurden und für welchen Zweck sie gelten.

Für Betreiber ist die Nutzbarkeit der Dokumentation entscheidend. Eine vollständige Unterlage ist nur dann wertvoll, wenn sie auffindbar, verständlich, strukturiert und aktualisierbar ist. Daher sollte die Dokumentationslogik früh festgelegt werden. Digitale Datenmodelle, CAFM-Schnittstellen und strukturierte Dokumentenregister können helfen, Informationen langfristig verfügbar zu halten.

Datenqualität und Verantwortlichkeit

Die Qualität der Level(s)-Anwendung hängt wesentlich von der Datenqualität ab. Jede Kennzahl benötigt eine eindeutige Quelle, eine definierte Berechnungsmethode, klare Systemgrenzen, eine Versionierung und eine verantwortliche Stelle. Ohne diese Grundlagen entstehen Risiken bei Auditierung, ESG-Berichterstattung, Fördermittelprüfung und Betriebsoptimierung.

Datenverantwortlichkeiten sollten bereits in der Projektorganisation festgelegt werden. Der Bauherr definiert die Anforderungen, die Projektsteuerung koordiniert Termine und Nachweise, Planer liefern technische Daten, ausführende Unternehmen stellen produkt- und mengenspezifische Informationen bereit, Nachhaltigkeitskoordinatoren prüfen Methodik und Plausibilität, und Facility Management bewertet die Nutzbarkeit für den Betrieb.

Ein professioneller Datenprozess umfasst auch Änderungsmanagement. Wenn Planungen, Produkte, Mengen oder technische Systeme geändert werden, müssen Auswirkungen auf Level(s)-Indikatoren bewertet und dokumentiert werden. Dadurch bleibt die Datenbasis konsistent und die spätere Berichterstattung belastbar.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Rolle

Hauptverantwortung im Level(s)-Prozess

Bauherr / Auftraggeber

Festlegung der Nachhaltigkeitsziele, Entscheidung über Anwendungstiefe, Freigabe von Zielwerten, Datenanforderungen und Berichtsumfang

Projektsteuerung

Integration der Level(s)-Anforderungen in Termine, Verantwortlichkeiten, Entscheidungsprozesse, Änderungsmanagement und Dokumentationslogik

Architekten und Fachplaner

Umsetzung der Indikatoren in Entwurf, technische Konzepte, Materialwahl, Komfortstrategien, Berechnungen und prüffähige Nachweise

Nachhaltigkeitskoordination / Auditoren

Methodische Steuerung, Plausibilitätsprüfung, Indikatorenauswahl, Nachweiskoordination, Qualitätskontrolle und Auditvorbereitung

Behörden / öffentliche Beschaffer

Einbindung in Vergabe-, Förder-, Genehmigungs- oder Berichtskontexte, sofern anwendbar, sowie Prüfung der geforderten Nachweise

Facility Management / Betreiber

Prüfung der Betriebsfähigkeit, Definition von Monitoringanforderungen, Übergabedaten, Wartungsanforderungen und Performance-Kontrollen

Ausführende Unternehmen

Bereitstellung produkt- und ausführungsspezifischer Nachweise, Mengen, Abfalldaten, Prüfprotokolle und Qualitätsdokumentation

Die Rollenverteilung muss verbindlich in der Projektorganisation verankert werden. Level(s) kann nur dann wirksam angewendet werden, wenn Zuständigkeiten nicht allgemein beschrieben, sondern mit konkreten Liefergegenständen, Terminen und Prüfschritten verbunden werden. Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen Planung, Ausführung und Betrieb. Hier entstehen häufig Informationsverluste, die später zu höheren Betriebskosten, unklaren Verantwortlichkeiten oder fehlender Nachweisfähigkeit führen.

Facility Management sollte als eigenständige Fachrolle betrachtet werden und nicht nur als Empfänger der fertigen Dokumentation. Betreiberanforderungen müssen rechtzeitig in Zielwerte, Ausschreibungen, technische Spezifikationen und Übergabeprozesse einfließen. Dazu gehören Anforderungen an Wartungszugänglichkeit, Messkonzepte, Bedienbarkeit, Datenformate, Betreiberpflichten und Schulung des Betriebspersonals.

ESG, EU-Taxonomie und Berichtswesen

Level(s) kann als methodische Grundlage dienen, um gebäudebezogene Nachhaltigkeitsdaten strukturiert aufzubereiten. Besonders relevant sind Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Ressourceneffizienz, Klimarisiken, Lebenszykluskosten, Anpassungsfähigkeit und Nachweisqualität. Diese Themen sind auch für ESG-Strategien, nachhaltige Finanzierung und unternehmensbezogene Berichtspflichten von Bedeutung.

Für Eigentümer und Betreiber entsteht ein praktischer Vorteil, wenn Level(s)-Daten mit internen Berichtssystemen verbunden werden. Verbrauchsdaten, Emissionsdaten, Materialinformationen und Risikobewertungen können dann nicht nur für ein einzelnes Projekt genutzt werden, sondern auch für Portfoliosteuerung, Investitionsplanung und Nachhaltigkeitsberichte. Voraussetzung ist eine konsistente Datenstruktur.

Aus Facility-Management-Sicht ist besonders wichtig, dass Berichtsdaten nicht von der tatsächlichen Betriebsrealität entkoppelt werden. ESG-Angaben müssen auf belastbaren Messwerten, nachvollziehbaren Annahmen und klaren Verantwortlichkeiten beruhen. Level(s) kann helfen, diese Verbindung zwischen Planung, Nachweisführung und realer Performance herzustellen.

Zertifizierungssysteme

Level(s) ersetzt nicht automatisch etablierte Zertifizierungssysteme wie DGNB, BREEAM, LEED oder BNB. Der Rahmen kann jedoch als europäische Referenzsprache dienen, um Indikatoren, Nachweise und Leistungsziele zwischen unterschiedlichen Bewertungssystemen vergleichbarer zu machen. Dies ist besonders hilfreich bei internationalen Projekten, öffentlichen Anforderungen oder Portfolios mit unterschiedlichen Zertifizierungslogiken.

Für Auditoren und Nachhaltigkeitskoordinatoren kann Level(s) Doppelarbeit reduzieren, wenn Nachweise so aufgebaut werden, dass sie für mehrere Bewertungs- und Berichtszwecke nutzbar sind. Voraussetzung ist eine sorgfältige Zuordnung der Anforderungen. Nicht jeder Indikator ist identisch mit Kriterien anderer Systeme, aber viele Datenquellen überschneiden sich. Dazu zählen Energiekennwerte, Materialdaten, Komfortbewertungen, Lebenszykluskosten und Nachweise zur Rückbaubarkeit.

Für Facility Management ist die Verbindung zu Zertifizierungssystemen nur dann sinnvoll, wenn daraus konkrete Betriebsanforderungen entstehen. Ein zertifiziertes oder nach Level(s) strukturiertes Gebäude muss im Alltag betrieben, gewartet und überwacht werden. Daher sollten Zertifizierungs- und Level(s)-Ziele immer in Betriebsprozesse, CAFM-Strukturen, Energiemanagement und Instandhaltungsstrategien übersetzt werden.

BIM, CAFM und digitales Gebäudedatenmanagement

Digitale Gebäudedatenmodelle können Level(s)-relevante Informationen strukturiert verfügbar machen. Dazu gehören Flächen, Bauteile, Materialmengen, technische Anlagen, Wartungsinformationen, Lebensdauern, Produktdaten, Verbrauchswerte und Betriebskennzahlen. Damit diese Informationen im Betrieb nutzbar sind, müssen sie frühzeitig in einer geeigneten Datenstruktur definiert werden.

BIM kann die Planungs- und Ausführungsdaten bereitstellen, während CAFM die betriebliche Nutzung unterstützt. Entscheidend ist die Schnittstelle zwischen beiden Systemen. Informationen müssen nicht nur modelliert, sondern auch korrekt klassifiziert, aktualisiert und in betriebliche Prozesse überführt werden. Ein digitales Gebäudemodell ohne klare Betreiberanforderungen führt häufig zu Datenmengen, die im Facility Management nur eingeschränkt nutzbar sind.

Ein professionelles digitales Gebäudedatenmanagement legt daher fest, welche Daten in welcher Qualität, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Format übergeben werden. Für Level(s) betrifft dies insbesondere Materialinformationen, technische Anlagen, Verbrauchszähler, Wartungsvorgaben, Lebensdauern, Rückbaubarkeit und Monitoringdaten. Damit wird die digitale Dokumentation zu einem aktiven Werkzeug für Betriebssteuerung, Nachweisführung und kontinuierliche Verbesserung.

Unklare Systemgrenzen

Ein zentrales Risiko bei der Anwendung von Level(s) sind unklare Systemgrenzen. Wenn nicht eindeutig festgelegt ist, welche Lebenszyklusphasen, Flächen, Bauteile, Anlagen, Nutzungsannahmen oder Datenquellen berücksichtigt werden, verlieren Kennzahlen an Vergleichbarkeit und Aussagekraft. Dies betrifft insbesondere CO₂-Bilanzierung, Lebenszykluskosten, Materialbewertungen und Verbrauchskennzahlen. Systemgrenzen müssen deshalb früh dokumentiert und im Projekt konsistent angewendet werden. Bei Änderungen des Planungsstands ist zu prüfen, ob die ursprünglichen Grenzen weiterhin gelten oder angepasst werden müssen. Andernfalls entstehen Ergebnisse, die formal korrekt erscheinen, aber fachlich nicht vergleichbar sind. Für Facility Management ist diese Klarheit auch im Betrieb wichtig. Wenn beispielsweise Energiekennzahlen nicht eindeutig zwischen Allgemeinflächen, Mietbereichen, Sondernutzungen und technischen Anlagen unterscheiden, sind Optimierungsmaßnahmen schwer ableitbar. Klare Systemgrenzen unterstützen daher nicht nur die Planung, sondern auch die spätere Betriebsanalyse.

Performance-Gap zwischen Planung und Betrieb

Ein häufiges Problem ist der Performance-Gap zwischen geplanten und tatsächlichen Gebäudewerten. Ursachen können Nutzerverhalten, mangelhafte Inbetriebnahme, ungeeignete Regelungsstrategien, unzureichende Wartung, fehlende Schulung des Betriebspersonals, falsche Betriebszeiten oder unvollständige Übergabedaten sein.

Level(s) sollte daher immer mit einem Monitoring- und Nachsteuerungskonzept verbunden werden. Es reicht nicht aus, Zielwerte in der Planung zu berechnen. Die tatsächliche Performance muss nach der Übergabe überprüft werden. Dazu sind Messpunkte, Verantwortlichkeiten, Auswertungsintervalle und Eskalationsprozesse erforderlich.

Facility Management spielt bei der Reduzierung des Performance-Gaps eine zentrale Rolle. Betreiber müssen technische Anlagen verstehen, Betriebsdaten auswerten, Nutzerfeedback aufnehmen und Optimierungen umsetzen können. Voraussetzung dafür sind vollständige Informationen, geeignete Systeme und klare Zuständigkeiten.

Fehlende Nachweisführung in der Ausführung

Nachhaltigkeitsqualitäten können während der Ausführung verloren gehen, wenn Produktwechsel, Materialsubstitutionen, Abfallströme oder Ausführungsdetails nicht dokumentiert werden. Ohne saubere Nachweisführung ist später nicht mehr nachvollziehbar, ob die geplanten Anforderungen tatsächlich erfüllt wurden.

Dieses Risiko lässt sich durch ein verbindliches Nachweisregister reduzieren. Darin sollten erforderliche Nachweise, verantwortliche Parteien, Fälligkeiten, Prüfstatus und Freigaben dokumentiert werden. Relevante Änderungen müssen fachlich bewertet und in die Level(s)-Dokumentation übernommen werden.

Für den späteren Betrieb ist eine lückenhafte Ausführungsdokumentation besonders problematisch. Fehlende Produktdaten, unklare Materialinformationen oder unvollständige Inbetriebnahmeprotokolle erschweren Wartung, Gewährleistungsverfolgung, Ersatzteilmanagement, Risikoanalyse und spätere Sanierungen. Deshalb ist die baubegleitende Nachweisführung ein wesentlicher Bestandteil professioneller Betreiberverantwortung.

Methodische Prüfung

Die methodische Prüfung stellt sicher, dass die Level(s)-Anwendung fachlich korrekt, vollständig und nachvollziehbar ist. Geprüft werden Indikatorenauswahl, Datenquellen, Berechnungsmethoden, Systemgrenzen, Annahmen, Plausibilität, Versionierung und Verantwortlichkeiten. Jede Kennzahl sollte so dokumentiert sein, dass ein fachkundiger Dritter sie nachvollziehen kann.

Wichtig ist eine klare Trennung zwischen Annahmen, Berechnungen und geprüften Nachweisen. In frühen Planungsphasen sind Annahmen unvermeidbar. Sie müssen jedoch als solche gekennzeichnet und später durch belastbare Daten ersetzt werden. Dadurch bleibt die Entwicklung der Kennzahlen transparent.

Die methodische Prüfung sollte nicht erst am Projektende erfolgen. Sinnvoll sind Prüfpunkte in den relevanten Planungsphasen, vor wesentlichen Entscheidungen, vor Ausschreibungen, während der Ausführung und vor Übergabe. So können Fehler früh erkannt und korrigiert werden.

Planungs- und Ausführungskontrolle

In jeder Planungsphase sollte überprüft werden, ob die Level(s)-Ziele weiterhin erreichbar sind. Wenn sich Entwurf, Flächen, Materialien, technische Anlagen oder Nutzungsanforderungen ändern, müssen die Auswirkungen auf die Indikatoren bewertet werden. Dadurch wird verhindert, dass Nachhaltigkeitsziele stillschweigend verloren gehen.

In der Ausführung sind Materialfreigaben, Produktnachweise, Prüfprotokolle, Inbetriebnahmen, Messkonzepte und Abfalldokumentationen mit den festgelegten Anforderungen abzugleichen. Abweichungen müssen dokumentiert, bewertet und freigegeben werden. Eine rein formale Sammlung von Unterlagen reicht nicht aus; erforderlich ist eine fachliche Kontrolle der Relevanz und Vollständigkeit.

Facility Management sollte insbesondere bei Inbetriebnahme, Messkonzept, Anlagenkennzeichnung, Wartungsanforderungen und Übergabestruktur eingebunden werden. Diese Punkte bestimmen maßgeblich, ob das Gebäude nach Fertigstellung stabil, effizient und regelkonform betrieben werden kann.

Übergabeprüfung

Vor Übergabe an den Betrieb ist zu prüfen, ob alle relevanten Informationen vollständig, korrekt und nutzbar vorliegen. Dazu gehören technische Dokumentation, Betriebsparameter, Wartungsvorgaben, Monitoringstruktur, Verbrauchszähler, Produktdaten, Materialinformationen, Prüfprotokolle, Gewährleistungsangaben und Verantwortlichkeiten für die Datenfortschreibung.

Die Übergabeprüfung sollte nicht nur dokumentenbezogen erfolgen. Auch die praktische Betriebsfähigkeit muss bewertet werden. Dazu zählen Bedienbarkeit der Anlagen, Zugänglichkeit für Wartung, Funktion der Messpunkte, Plausibilität der Regelungsparameter und Schulung des Betriebspersonals. Eine strukturierte Einweisung ist erforderlich, damit Betreiber die geplante Performance tatsächlich erreichen können.

Ein professioneller Übergabeprozess umfasst zudem eine Phase der Nachjustierung. Nach den ersten Betriebsmonaten sollten Verbrauchswerte, Komfortmeldungen, Störungen und Regelungsdaten analysiert werden. So können Startprobleme erkannt und behoben werden, bevor sie zu dauerhaften Performance-Verlusten führen.

Deliverables und Ergebnisdokumente

Typische Ergebnisse einer Level(s)-orientierten Planungs- und Baubegleitung sind ein Indikatorenkonzept, eine Zielwertmatrix, eine Datenanforderungsliste, ein Nachweisregister, Variantenbewertungen, LCA- und LCC-Auswertungen, Material- und Mengenübersichten, Komfort- und Klimarisikobewertungen, Prüfprotokolle, Übergabedokumentation sowie ein Monitoringkonzept für den Betrieb.

Diese Deliverables sollten nicht isoliert erstellt werden. Sie müssen miteinander verbunden sein, damit von der Zieldefinition über die Planung und Ausführung bis zum Betrieb eine nachvollziehbare Informationskette entsteht. Die Zielwertmatrix beschreibt, was erreicht werden soll. Die Datenanforderungsliste definiert, welche Informationen benötigt werden. Das Nachweisregister steuert, wann und durch wen diese Informationen geliefert werden. Die Übergabedokumentation stellt sicher, dass die Ergebnisse für den Betrieb nutzbar bleiben.

Für Facility Management sind insbesondere jene Dokumente relevant, die den laufenden Betrieb unterstützen. Dazu gehören Zählerkonzepte, Wartungsinformationen, Anlagenlisten, Regelungsparameter, Prüfpflichten, Materialdaten, Gewährleistungsinformationen und Monitoringberichte. Diese Unterlagen sollten so strukturiert sein, dass sie in betriebliche Systeme übernommen und regelmäßig aktualisiert werden können.

Nutzen für Betrieb und Betreiberpflichten

Für Facility Management bietet Level(s) eine strukturierte Grundlage, um nachhaltige Gebäudeperformance in den laufenden Betrieb zu überführen. Relevante Aspekte sind Energie- und Wasserverbrauch, Innenraumkomfort, Wartungsfreundlichkeit, Anpassbarkeit, Lebenszykluskosten, technische Risiken, Betreiberpflichten und Datenqualität. Damit wird Nachhaltigkeit zu einem operativen Steuerungsthema und nicht nur zu einer Planungs- oder Berichtsfunktion.

Der Nutzen entsteht vor allem durch frühe Einbindung. Wenn Facility Management bereits in der Planungsphase Anforderungen an Messkonzepte, Wartungszugänglichkeit, Dokumentation, Automationsstrukturen und Betriebsprozesse formuliert, können spätere Risiken reduziert werden. Anlagen werden besser bedienbar, Verbrauchsdaten besser auswertbar und Wartungsprozesse klarer planbar.

Level(s) unterstützt auch die Erfüllung von Betreiberpflichten. Vollständige Dokumentation, klare Zuständigkeiten, geprüfte Inbetriebnahme und belastbare Monitoringstrukturen erleichtern den sicheren, regelkonformen und wirtschaftlichen Betrieb. Gleichzeitig verbessert sich die Grundlage für interne Audits, Versicherungsfragen, Gewährleistungsverfolgung und technische Risikobewertungen.

Grundlage für kontinuierliche Verbesserung

Im laufenden Betrieb kann Level(s) helfen, Soll-Ist-Abweichungen sichtbar zu machen und Verbesserungsmaßnahmen zu priorisieren. Dies betrifft Energieoptimierung, Wasserverbrauch, Komfortbeschwerden, Wartungsaufwand, Materialaustausch, Sanierungsstrategien und Klimaanpassungsmaßnahmen. Der Rahmen unterstützt damit ein performanceorientiertes Facility Management.

Kontinuierliche Verbesserung setzt voraus, dass Betriebsdaten regelmäßig erhoben, ausgewertet und in Entscheidungen übersetzt werden. Verbrauchswerte sollten nicht nur dokumentiert, sondern interpretiert werden. Komfortbeschwerden sollten nicht nur bearbeitet, sondern auf systematische Ursachen geprüft werden. Wartungsdaten sollten nicht nur abgelegt, sondern für Lebensdauerprognosen und Investitionsplanung genutzt werden.

Level(s) kann dabei als Ordnungsrahmen dienen, um operative Maßnahmen mit strategischen Nachhaltigkeitszielen zu verbinden. Dadurch wird Facility Management zu einer aktiven Steuerungsfunktion für Gebäudequalität, Ressourceneffizienz, Nutzerzufriedenheit und Werterhalt.