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BREEAM als Bewertungsrahmen für zukunftsfähiges Bauen und Betreiben

BREEAM ist ein international eingesetztes Bewertungs- und Zertifizierungssystem für nachhaltige Gebäude, Quartiere, Infrastrukturprojekte und Bestandsobjekte. Für das Facility Management ist BREEAM besonders relevant, weil es Nachhaltigkeit nicht nur als Planungsziel, sondern als messbare Gebäudeperformance über den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Der Bewertungsrahmen unterstützt Bauherren, Planer, Betreiber und Eigentümer dabei, Anforderungen an Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Gesundheit, Komfort, Resilienz, Dokumentation und Betriebsqualität frühzeitig zu definieren, in die Planung zu integrieren und in den späteren Betrieb zu überführen. Damit wird BREEAM zu einem strukturierten Instrument für zukunftsfähiges Bauen und Betreiben, das technische Qualität, Nachhaltigkeit, Nachweisführung und langfristige Bewirtschaftbarkeit miteinander verbindet.

BREEAM für nachhaltige Immobilienbewertung

Zweck von BREEAM in der Planungs- und Baubegleitung

BREEAM dient dazu, Nachhaltigkeitsanforderungen systematisch in Planung, Ausschreibung, Bauausführung, Übergabe und Betrieb einzubinden. Der Bewertungsrahmen schafft eine klare Struktur, mit der ökologische, wirtschaftliche, technische und nutzungsbezogene Anforderungen in prüffähige Kriterien übersetzt werden. Dadurch wird Nachhaltigkeit nicht als nachträgliche Ergänzung behandelt, sondern als Bestandteil der Projektsteuerung und Qualitätssicherung. In der Planungs- und Baubegleitung unterstützt BREEAM die Abstimmung zwischen Bauherr, Projektsteuerung, Architekten, Fachplanern, ausführenden Unternehmen, Auditoren, Betreibern und späteren Nutzern. Aus Sicht des Facility Managements ist dies entscheidend, weil viele spätere Betriebsqualitäten bereits in frühen Planungsentscheidungen festgelegt werden. Dazu gehören beispielsweise die Zählerstruktur, die Wartungszugänglichkeit technischer Anlagen, die Auswahl langlebiger Materialien, die Dokumentationsqualität, die Nutzerinformation und die Möglichkeit, Verbrauchsdaten im Betrieb belastbar auszuwerten. Der Zweck von BREEAM liegt daher nicht allein in der Erlangung eines Zertifikats. Der eigentliche Mehrwert besteht darin, Gebäudeperformance planbar, überprüfbar und steuerbar zu machen. Ein gut geführter BREEAM-Prozess hilft, Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen, Verantwortlichkeiten zu klären, Nachweise rechtzeitig zu sichern und den Übergang in einen geordneten Gebäudebetrieb vorzubereiten.

Zielsetzung für nachhaltige Gebäudeperformance

Die Zielsetzung besteht darin, Gebäude so zu planen, zu errichten, zu modernisieren oder zu betreiben, dass sie langfristig leistungsfähig, ressourceneffizient, klimaresilient, nutzerorientiert und wirtschaftlich bewirtschaftbar sind. BREEAM unterstützt diese Zielsetzung durch eine strukturierte Bewertung von Themen wie Energie, Wasser, Materialien, Gesundheit, Komfort, Mobilität, Landnutzung, Abfall, Umweltwirkung, Management und betrieblicher Qualität. Für das Facility Management bedeutet nachhaltige Gebäudeperformance, dass ein Gebäude nicht nur bei der Fertigstellung gut bewertet wird, sondern im täglichen Betrieb zuverlässig funktioniert. Energieverbräuche müssen nachvollziehbar sein, technische Anlagen müssen effizient betrieben werden können, Wartungsprozesse müssen praktikabel sein und Nutzer müssen die Gebäudequalität tatsächlich erleben. Die BREEAM-Logik unterstützt diese Anforderungen, indem sie Planungs- und Betriebsaspekte miteinander verbindet. Ein wesentliches Ziel ist außerdem die belastbare Nachweisführung. Eigentümer, Investoren und Betreiber benötigen zunehmend überprüfbare Daten zu CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Resilienz, Innenraumqualität und Managementprozessen. BREEAM kann helfen, diese Informationen zu strukturieren, zu bewerten und für interne Steuerung, Portfolioentscheidungen und Nachhaltigkeitsberichte nutzbar zu machen.

Abgrenzung zu rein bautechnischen Bewertungsansätzen

BREEAM ersetzt keine bauordnungsrechtlichen Anforderungen, technischen Normen, Betreiberpflichten, Arbeitsschutzvorgaben oder projektspezifischen Qualitätsstandards. Diese Anforderungen bleiben eigenständig verbindlich und müssen unabhängig von einer Zertifizierung erfüllt werden. BREEAM ergänzt sie jedoch durch eine übergreifende Bewertungslogik, die Nachhaltigkeit, Lebenszyklusqualität, Betriebsfähigkeit und Nachweisfähigkeit systematisch zusammenführt.

Ein rein bautechnischer Ansatz konzentriert sich häufig auf die Erfüllung einzelner technischer Anforderungen, etwa Tragwerk, Brandschutz, Schallschutz, Energiebedarf oder technische Ausrüstung. BREEAM betrachtet diese Aspekte im Zusammenhang mit weiteren Themen wie Ressourceneinsatz, Nutzerkomfort, Mobilität, Anpassungsfähigkeit, Betriebskosten, Dokumentation und Managementqualität. Dadurch entsteht ein breiteres Bild der tatsächlichen Gebäudequalität.

Aus Facility-Management-Sicht ist diese Abgrenzung wichtig. Ein Gebäude kann technisch genehmigungsfähig und regelkonform sein, ohne im Betrieb optimal zu funktionieren. Fehlende Betriebsdaten, schlecht zugängliche Anlagen, unvollständige Dokumentation, ungeeignete Materialien oder unklare Verantwortlichkeiten können die Performance erheblich beeinträchtigen. BREEAM hilft, solche Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und im Projektprozess zu steuern.

Bedeutung für internationale Vergleichbarkeit

BREEAM ist besonders relevant für internationale Bauherren, Investoren, Corporate-Real-Estate-Organisationen und Betreiber mit standortübergreifenden Portfolios. In internationalen Projekten unterscheiden sich nationale Regelwerke, Baupraktiken, Marktstandards und Dokumentationskulturen häufig deutlich. Ein einheitlicher Bewertungsrahmen erleichtert es, Nachhaltigkeitsqualitäten vergleichbar zu machen und Mindestanforderungen über Ländergrenzen hinweg zu steuern.

Für Investoren und Asset Manager ist diese Vergleichbarkeit ein wesentlicher Vorteil. Gebäude können anhand einer anerkannten Systematik bewertet, eingeordnet und im Portfolio verglichen werden. Dies unterstützt Entscheidungen zu Ankauf, Entwicklung, Modernisierung, Vermietung, Betrieb und Veräußerung. Für das Facility Management entsteht dadurch eine gemeinsame Sprache, mit der betriebliche Qualität, Datenverfügbarkeit und Verbesserungspotenziale standortübergreifend bewertet werden können.

Internationale Vergleichbarkeit bedeutet jedoch nicht, dass alle Gebäude identisch geplant oder betrieben werden. Lokale Klima- und Nutzungsbedingungen, nationale Vorschriften, Marktverfügbarkeit von Produkten und standortspezifische Risiken müssen weiterhin berücksichtigt werden. BREEAM schafft dafür einen Rahmen, der lokale Gegebenheiten berücksichtigt und gleichzeitig eine strukturierte Bewertung ermöglicht.

Relevanz für Bestandsgebäude

Für Bestandsgebäude ist BREEAM besonders wertvoll, weil die größten Nachhaltigkeitspotenziale häufig nicht im Neubau, sondern in der Optimierung vorhandener Gebäude liegen. Bestehende Objekte verfügen oft über gewachsene technische Anlagen, unterschiedliche Dokumentationsstände, variable Nutzeranforderungen und historisch entstandene Betriebsprozesse. BREEAM In-Use kann diese Ausgangslage strukturieren und in eine nachvollziehbare Bewertungs- und Verbesserungslogik überführen.

Im Bestand geht es nicht nur darum, den baulichen Zustand zu bewerten. Entscheidend ist, wie das Gebäude tatsächlich betrieben wird. Dazu gehören Energieverbräuche, Wasserverbräuche, Instandhaltungsprozesse, Nutzerkomfort, Managementsysteme, Betreiberverantwortung, Datenqualität und Verbesserungsmaßnahmen. Für Facility Manager bietet BREEAM In-Use eine geeignete Grundlage, um vorhandene Schwächen sichtbar zu machen und Maßnahmen nach Wirkung, Dringlichkeit und Wirtschaftlichkeit zu priorisieren.

Ein weiterer Nutzen liegt im Benchmarking. Eigentümer und Betreiber können mehrere Gebäude vergleichen und erkennen, welche Objekte besonders effizient, risikobehaftet oder sanierungsbedürftig sind. Dadurch entstehen belastbare Grundlagen für Investitionsplanung, CapEx-Programme, Energieoptimierung, Nutzerkommunikation und ESG-orientierte Portfolioentwicklung.

Bedeutung für Whole-Life-Performance

BREEAM stärkt den Blick auf die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes. Entscheidend ist nicht nur, wie ein Gebäude geplant oder errichtet wird, sondern ob es über viele Jahre hinweg leistungsfähig, anpassungsfähig, ressourcenschonend und wirtschaftlich betreibbar bleibt. Whole-Life-Performance betrachtet daher den Zusammenhang zwischen Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung, Modernisierung und Rückbau.

Für das Facility Management ist dieser Ansatz besonders wichtig. Viele Lebenszykluskosten entstehen erst nach der Fertigstellung, etwa durch Energieverbrauch, Wartung, Reinigung, Ersatzinvestitionen, Störungen, Nutzerbeschwerden oder Umbauten. BREEAM unterstützt die frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Themen und hilft, Entscheidungen nicht nur nach Investitionskosten, sondern nach langfristiger Wirkung zu bewerten.

Die Whole-Life-Perspektive umfasst auch Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Gebäude müssen auf veränderte Nutzungen, klimatische Belastungen, regulatorische Anforderungen, technische Entwicklungen und Marktanforderungen reagieren können. Eine gute BREEAM-orientierte Planung berücksichtigt daher nicht nur die aktuelle Funktion, sondern auch die Fähigkeit des Gebäudes, künftige Anforderungen mit vertretbarem Aufwand zu erfüllen.

Anwendungsbereiche und Einordnung innerhalb von BREEAM

BREEAM-Anwendungsbereich

Typischer Einsatz

Bedeutung für Planung, Bau und Betrieb

BREEAM New Construction

Neubauprojekte und größere Entwicklungen

Unterstützt die nachhaltige Zieldefinition, Planungsintegration, Bauausführung und Nachweisführung für leistungsfähige Neubauten. Für das Facility Management ist besonders wichtig, dass betriebliche Anforderungen bereits in der Konzept- und Entwurfsphase berücksichtigt werden.

BREEAM Refurbishment & Fit-Out

Sanierungen, Umbauten, Mieterausbauten und Modernisierungen

Verbindet Bestandsqualität, Eingriffstiefe, Materialwahl, Nutzeranforderungen und Betriebsfähigkeit. Der Schwerpunkt liegt auf der sinnvollen Verbesserung vorhandener Strukturen, ohne betriebliche Kontinuität und Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren.

BREEAM In-Use

Bestehende, betriebene Gebäude und Portfolios

Ermöglicht Bewertung, Benchmarking, Verbesserung und Validierung operativer Gebäudedaten. Für Facility Manager ist dieser Bereich besonders relevant, weil er Managementprozesse, Verbrauchsdaten und tatsächliche Betriebsperformance in den Mittelpunkt stellt.

BREEAM Communities / Infrastructure

Quartiere, Masterplanung, Infrastruktur und öffentlicher Raum

Unterstützt übergeordnete Nachhaltigkeits-, Mobilitäts-, Resilienz- und Standortqualitäten. Die FM-Relevanz liegt vor allem in der späteren Bewirtschaftbarkeit, Schnittstellenkoordination und langfristigen Qualität von Außenanlagen, Infrastruktur und gemeinschaftlich genutzten Bereichen.

Die Auswahl des passenden BREEAM-Anwendungsbereichs muss früh im Projekt erfolgen. Ein Neubauprojekt benötigt andere Nachweise und Steuerungsmechanismen als ein Bestandsgebäude im laufenden Betrieb oder ein Mieterausbau innerhalb eines bestehenden Objekts. Aus Facility-Management-Sicht sollte die Systemwahl nicht allein anhand der Projektart erfolgen, sondern auch anhand der späteren Betriebsziele, der Datenverfügbarkeit, der Eigentümerstrategie und der geplanten Nutzungsdauer.

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zwischen projektbezogener Zertifizierung und betrieblicher Bewertung. Ein Neubau kann bei Fertigstellung sehr gut bewertet sein, erreicht aber nur dann eine nachhaltige Wirkung, wenn die geplanten Qualitäten im Betrieb überwacht und weiterentwickelt werden. Deshalb sollte die BREEAM-Systemwahl immer mit einer Übergabestrategie und einem Betriebskonzept verbunden werden.

Frühe Zieldefinition und Systemwahl

Zu Beginn eines Projekts ist festzulegen, welcher BREEAM-Anwendungsbereich geeignet ist, welches Bewertungsniveau angestrebt wird und welche Nachhaltigkeitsziele für Bauherr, Finanzierung, Nutzer, Betreiber und Portfolio relevant sind. Diese Klärung muss früh erfolgen, weil viele BREEAM-relevante Entscheidungen bereits in der Konzeptphase getroffen werden. Dazu gehören Standortstrategie, Gebäudekonzept, Energieversorgung, Fassadenqualität, Flächenorganisation, Mobilitätsangebote, Materialstrategie und technische Grundstruktur. Für das Facility Management ist diese Phase die Gelegenheit, Betriebsanforderungen in die Planung einzubringen. Dazu zählen Wartungszugänglichkeit, Anlagenstruktur, Zählerkonzept, Datenübergabe, Reinigungsfähigkeit, Ersatzteilverfügbarkeit, Sicherheitsanforderungen, Nutzerprozesse und Betreiberpflichten. Werden diese Themen erst kurz vor Übergabe betrachtet, lassen sie sich häufig nur noch eingeschränkt oder mit erhöhtem Aufwand korrigieren. Die Zieldefinition sollte schriftlich dokumentiert und mit messbaren Anforderungen hinterlegt werden. Ein allgemeines Ziel wie „nachhaltiges Gebäude“ reicht nicht aus. Erforderlich sind konkrete Vorgaben, etwa zu Energieperformance, CO₂-Reduktion, Wasserverbrauch, Innenraumqualität, Materialanforderungen, Monitoring, Dokumentation und Betriebsprozessen.

Pre-Assessment und Machbarkeitsprüfung

Das Pre-Assessment dient der strukturierten Erstbewertung des Projekts. Dabei wird geprüft, welche BREEAM-Kriterien realistisch erreichbar sind, welche Nachweise erforderlich werden, welche Planungsentscheidungen angepasst werden müssen und welche Risiken für das angestrebte Bewertungsniveau bestehen. Diese Prüfung schafft Transparenz, bevor kostenintensive Planungsentscheidungen verfestigt werden.

In der Machbarkeitsprüfung sollten technische, wirtschaftliche und organisatorische Aspekte gemeinsam betrachtet werden. Ein Credit kann theoretisch erreichbar sein, aber im konkreten Projekt unverhältnismäßige Kosten verursachen oder mit Nutzeranforderungen kollidieren. Umgekehrt können einzelne Maßnahmen, etwa ein sauberes Zählerkonzept oder eine bessere Inbetriebnahmestrategie, mit begrenztem Aufwand erhebliche Vorteile für Betrieb und Nachweisführung bringen.

Aus FM-Sicht ist wichtig, dass das Pre-Assessment nicht nur auf Zertifizierungspunkte ausgerichtet wird. Es sollte auch bewerten, welche Maßnahmen im Betrieb tatsächlich wirksam sind. Die Priorität sollte auf Anforderungen liegen, die langfristig Energie sparen, Störungen reduzieren, Wartung erleichtern, Nutzerkomfort sichern und Datenqualität verbessern.

Integration in Planung und Ausschreibung

BREEAM-Anforderungen müssen verbindlich in Planungsunterlagen, Leistungsbeschreibungen, Qualitätsvorgaben und Beschaffungsprozesse übernommen werden. Nur so ist sichergestellt, dass die Anforderungen nicht als unverbindliche Absichtserklärung bestehen bleiben, sondern von Planern, ausführenden Unternehmen und Lieferanten tatsächlich umgesetzt werden.

In der Planung betrifft dies unter anderem technische Spezifikationen, Materialvorgaben, Berechnungsnachweise, Messkonzepte, Lüftungs- und Komfortanforderungen, Baustellenlogistik, Abfallmanagement, Produktdokumentation und Inbetriebnahmeleistungen. In der Ausschreibung müssen die Anforderungen so formuliert sein, dass sie prüfbar, kalkulierbar und vertraglich durchsetzbar sind.

Für das Facility Management ist die Ausschreibungsintegration besonders relevant, weil hier spätere Betriebsqualität vertraglich abgesichert werden kann. Dazu gehören Dokumentationspflichten, Übergabeformate, Schulungen, Wartungsanforderungen, Anlagenkennzeichnung, Ersatzteilinformationen, Garantieunterlagen und digitale Daten für CAFM- oder BIM-Systeme.

Nachweisführung während der Bauphase

In der Bauphase liegt der Schwerpunkt auf der dokumentierten Umsetzung. BREEAM-relevante Nachweise müssen rechtzeitig gesammelt, geprüft, freigegeben und geordnet abgelegt werden. Dazu gehören Produktdatenblätter, Materialnachweise, Herkunftsnachweise, Baustellenprotokolle, Abfallnachweise, Mess- und Prüfprotokolle, Fotos, Planstände, Freigaben, Inbetriebnahmedokumente und Nachweise zur Nutzerinformation.

Eine häufige Schwachstelle besteht darin, Nachweise erst am Ende der Bauphase zusammenzustellen. Dann fehlen oft Unterlagen, Verantwortliche sind nicht mehr verfügbar oder Produkte wurden bereits verbaut, ohne dass die erforderliche Dokumentation gesichert wurde. Deshalb sollte die Nachweisführung als laufender Prozess organisiert werden.

Für Facility Manager ist die Qualität der Bauphasendokumentation auch unabhängig vom Zertifikat wichtig. Sie bildet die Grundlage für Wartung, Instandhaltung, Betreiberpflichten, Mängelmanagement, Gewährleistungsverfolgung und spätere Modernisierungen. Unvollständige Dokumentation führt im Betrieb zu höheren Kosten, längeren Störungszeiten und rechtlichen Risiken.

Übergang in Betrieb und In-Use-Logik

Nach Fertigstellung muss sichergestellt werden, dass die geplanten Nachhaltigkeits- und Qualitätsziele in den Regelbetrieb überführt werden. Der Übergang in den Betrieb ist ein kritischer Punkt, weil viele Performanceabweichungen nicht aus der Planung, sondern aus unzureichender Inbetriebnahme, fehlender Einweisung, unvollständiger Dokumentation oder nicht angepassten Betriebsprozessen entstehen.

Erforderlich sind Betreiberhandbücher, Wartungs- und Prüfpläne, Anlagenlisten, Mess- und Zählerkonzepte, Energie- und Wassermonitoring, Nutzerinformationen, Reinigungs- und Abfallkonzepte, Störfallprozesse, Verantwortlichkeitsregelungen und digitale Datenübergaben. Technische Anlagen sollten nicht nur formal abgenommen, sondern funktional getestet und auf die tatsächliche Nutzung eingestellt werden.

Für Bestände oder den laufenden Betrieb kann BREEAM In-Use als kontinuierliches Verbesserungsinstrument dienen. Die Bewertung zeigt, ob geplante Qualitäten im Betrieb erreicht werden und wo Anpassungen erforderlich sind. Damit wird BREEAM von einem projektbezogenen Zertifizierungsprozess zu einem Instrument der nachhaltigen Betriebsführung.

Erforderliche Informationen und Nachweise

Informationsbereich

Typische Inhalte

FM-Relevanz

Gebäude- und Projektdaten

Standort, Nutzung, Flächen, Gebäudetyp, Lebenszyklusphase, technische Systeme

Grundlage für Bewertung, Vergleichbarkeit und spätere Betreiberintegration. Diese Daten müssen eindeutig, aktuell und mit den Betriebsprozessen verknüpft sein.

Energie und Carbon

Energiebedarf, Verbrauchsdaten, Zählerkonzept, CO₂-Daten, Betriebsstrategie, erneuerbare Energien

Basis für Performance-Monitoring, Dekarbonisierung und Betriebskostensteuerung. Ohne belastbare Messstruktur kann die tatsächliche Performance nicht verlässlich gesteuert werden.

Materialien und Ressourcen

Produktdaten, Herkunft, Lebensdauer, Wiederverwendbarkeit, Schadstoffinformationen, LCA-Daten

Wichtig für Lebenszykluskosten, Rückbau, Wartung, Kreislauffähigkeit und Dokumentation. Materialinformationen sollten auch für spätere Ersatzbeschaffung und Instandhaltung nutzbar sein.

Wasser und Abwasser

Wasserverbrauch, Armaturen, Messkonzept, Leckageerkennung, Betriebsdaten

Relevant für Ressourceneffizienz, Betriebskosten und Störungsprävention. Eine gute Mess- und Überwachungsstruktur hilft, Leckagen und Fehlverbräuche frühzeitig zu erkennen.

Gesundheit und Wohlbefinden

Tageslicht, Raumluft, Akustik, thermischer Komfort, Nutzerqualität

Grundlage für Nutzerzufriedenheit, Produktivität, Beschwerdemanagement und Komfortsicherung. Die Anforderungen müssen in Betriebskonzept, Wartung und Nutzerkommunikation fortgeführt werden.

Resilienz und Klimaanpassung

Überflutung, Hitze, Extremwetter, technische Redundanzen, Anpassungsfähigkeit

Wichtig für Ausfallsicherheit, Werterhalt und langfristige Nutzbarkeit. FM-Prozesse müssen Notfallplanung, Wartung und regelmäßige Risikobewertung einbeziehen.

Betriebs- und Managementprozesse

Wartung, Inspektion, Verantwortlichkeiten, Monitoring, Nutzerkommunikation

Direkte Schnittstelle zum Facility Management und zur Betreiberpflichtenorganisation. Die Qualität dieser Prozesse entscheidet wesentlich über die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung im Betrieb.

Die erforderlichen Informationen sollten nicht nur für die Zertifizierung gesammelt werden. Sie müssen so aufbereitet sein, dass sie im Betrieb verwendet werden können. Ein Nachweis, der ausschließlich für ein Audit erstellt wurde, aber nicht in Wartungs-, Energie- oder Dokumentationsprozesse einfließt, erzeugt nur begrenzten langfristigen Nutzen.

Aus Facility-Management-Sicht ist daher eine klare Datenstrategie erforderlich. Bereits während der Planung sollte festgelegt werden, welche Informationen in welcher Tiefe, in welchem Format, zu welchem Zeitpunkt und durch wen geliefert werden. Dazu gehören auch Vorgaben für digitale Übergaben, Anlagenkennzeichnung, Dokumentenstruktur, Datenpflege und Verantwortlichkeiten nach der Inbetriebnahme.

Bauherr und Eigentümer

Der Bauherr oder Eigentümer legt die strategischen Ziele, das angestrebte Bewertungsniveau, Budgetrahmen, Entscheidungswege und Prioritäten fest. Er entscheidet, ob BREEAM primär zur Zertifizierung, zur Qualitätssteuerung, zur ESG-Nachweisführung, zur Portfolioentwicklung oder zur Betriebsoptimierung eingesetzt wird. Diese Zielsetzung beeinflusst alle weiteren Entscheidungen im Projekt.

Eine zentrale Verantwortung des Bauherrn besteht darin, BREEAM frühzeitig in die Projektorganisation einzubinden. Wird der Bewertungsprozess nur als Zusatzaufgabe behandelt, entstehen häufig Zielkonflikte, Nachweislücken und Mehrkosten. Der Bauherr muss daher sicherstellen, dass Anforderungen in Verträge, Planungsprozesse, Terminpläne und Berichtssysteme integriert werden.

Aus Sicht des Facility Managements sollte der Eigentümer außerdem festlegen, welche Betriebsdaten, Service-Level, Dokumentationsstandards und Performanceziele nach Übergabe erwartet werden. Diese Vorgaben sind entscheidend, damit das Gebäude nicht nur zertifiziert, sondern dauerhaft professionell bewirtschaftet wird.

Planer und Fachplaner

Architekten, TGA-Planer, Bauphysiker, Brandschutzplaner, Landschaftsplaner, Kostenplaner und weitere Fachdisziplinen übersetzen die BREEAM-Anforderungen in konkrete technische und gestalterische Lösungen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Kriterien in den Planungsprozess einzubinden und mit gesetzlichen, technischen, wirtschaftlichen und nutzungsbezogenen Anforderungen abzustimmen.

Die Fachplaner müssen Zielkonflikte frühzeitig erkennen und transparent darstellen. Beispielsweise können Anforderungen an Tageslicht, sommerlichen Wärmeschutz, Fassadengestaltung, Energieeffizienz und Nutzerkomfort miteinander konkurrieren. Gleiches gilt für Materialwahl, Brandschutz, Akustik, Wartungszugänglichkeit und Kosten. Eine professionelle Planung bewertet diese Wechselwirkungen und entwickelt belastbare Lösungen.

Für das Facility Management ist wichtig, dass Fachplaner nicht nur die Errichtung, sondern auch die Betriebsphase berücksichtigen. Technische Anlagen müssen zugänglich, verständlich dokumentiert, messbar, wartbar und effizient regelbar sein. Planungsentscheidungen, die im Betrieb zu hohen Kosten oder komplizierten Prozessen führen, sollten frühzeitig hinterfragt werden.

BREEAM Assessor und Accredited Professional

Der BREEAM Assessor begleitet den Bewertungs- und Zertifizierungsprozess, prüft die Nachweise und stellt sicher, dass die Anforderungen des gewählten Schemas korrekt angewendet werden. Er bewertet, ob die eingereichten Unterlagen vollständig, plausibel und auditfähig sind. Seine Rolle ist unabhängig von der allgemeinen Projektsteuerung, aber eng mit ihr zu koordinieren.

Ein BREEAM Accredited Professional kann zusätzlich unterstützen, Nachhaltigkeitsanforderungen frühzeitig in Projektentscheidungen zu integrieren. Diese Rolle ist besonders wertvoll in der Konzept- und Entwurfsphase, wenn noch wesentliche Einflussmöglichkeiten bestehen. Der Accredited Professional kann helfen, sinnvolle Credits zu priorisieren, Risiken zu erkennen und die Zusammenarbeit zwischen Fachdisziplinen zu verbessern.

Für Facility Manager ist die Zusammenarbeit mit Assessor und Accredited Professional wichtig, weil viele betriebsrelevante Anforderungen nachweis- und auditfähig dokumentiert werden müssen. Dazu zählen etwa Managementprozesse, Inbetriebnahme, Nutzerinformation, Monitoring, Wartungsstrukturen und Übergabedokumentation.

Facility Management und Betreiber

Das Facility Management bringt Anforderungen aus Betrieb, Wartung, Nutzerbetreuung, Datenmanagement, Betreiberpflichten, Kostensteuerung und Lebenszyklusbetrachtung in das Projekt ein. Diese Rolle ist entscheidend, damit zertifizierte Qualitäten nicht nur planerisch vorgesehen sind, sondern im täglichen Betrieb erhalten bleiben.

Facility Manager sollten bereits in frühen Projektphasen eingebunden werden. Sie können beurteilen, ob technische Lösungen im Betrieb praktikabel sind, ob Wartungsflächen ausreichen, ob Zählerstrukturen sinnvoll angeordnet sind, ob Reinigungsprozesse realistisch sind und ob die geplante Dokumentation für den laufenden Betrieb genügt. Diese Hinweise vermeiden spätere Effizienzverluste und Betriebsrisiken.

Im Betrieb ist das Facility Management verantwortlich für die Umsetzung vieler BREEAM-relevanter Prozesse. Dazu gehören Energiecontrolling, Wartungsmanagement, Störungsmanagement, Nutzerkommunikation, Abfallmanagement, Wasserüberwachung, Komfortsicherung, Datenpflege und kontinuierliche Verbesserung. Damit wird FM zur zentralen Schnittstelle zwischen Zertifizierungsziel und tatsächlicher Performance.

Nutzer und Occupier

Nutzer, Mieter und Occupier beeinflussen die tatsächliche Performance eines Gebäudes erheblich. Ihr Verhalten wirkt sich auf Energieverbrauch, Raumklima, Abfallaufkommen, Wasserverbrauch, Flächennutzung und Komfortwahrnehmung aus. Deshalb sollten ihre Anforderungen und Nutzungsmuster frühzeitig berücksichtigt werden.

In der Planung betrifft dies insbesondere Raumfunktionen, Belegungsdichten, Betriebszeiten, Komfortanforderungen, Sicherheitsanforderungen, Kommunikationswege und Bedienbarkeit technischer Systeme. In der Übergabephase benötigen Nutzer verständliche Informationen, damit sie das Gebäude sachgerecht nutzen können. Dazu gehören Hinweise zu Lüftung, Sonnenschutz, Beleuchtung, Abfalltrennung, Störungsmeldung und energieeffizientem Verhalten.

Für das Facility Management ist die Nutzerperspektive auch im laufenden Betrieb wichtig. Beschwerden, Feedback, Komfortmessungen und Nutzungsdaten liefern Hinweise darauf, ob das Gebäude seine Ziele erfüllt. Eine gute Nutzerkommunikation unterstützt nachhaltige Performance und reduziert Fehlbedienung, Unzufriedenheit und unnötige Servicekosten.

Schnittstelle zur integralen Planung

BREEAM erfordert eine enge Abstimmung zwischen Architektur, technischer Gebäudeausrüstung, Bauphysik, Nachhaltigkeitsberatung, Kostenplanung, Bauausführung, Betrieb und Nutzervertretung. Die Bewertung wirkt nur dann effektiv, wenn sie in die integrale Planung eingebunden wird. Ein isolierter Zertifizierungsprozess führt häufig zu Doppelarbeit, verspäteten Anpassungen und unzureichender betrieblicher Wirkung.

In der integralen Planung werden Anforderungen gemeinsam bewertet. Beispielsweise beeinflussen Fassadenkonzept, Lüftungsstrategie, Tageslicht, sommerlicher Wärmeschutz, Energiebedarf, Nutzerkomfort und Reinigung die spätere Gebäudeperformance. Diese Themen müssen nicht nacheinander, sondern gemeinsam betrachtet werden.

Das Facility Management sollte in der integralen Planung eine aktive Rolle übernehmen. Es prüft, ob die geplanten Lösungen betreibbar, wartbar, dokumentierbar und wirtschaftlich tragfähig sind. Damit wird verhindert, dass ein Gebäude zwar planerisch anspruchsvoll, aber im Betrieb unnötig komplex oder kostenintensiv wird.

Schnittstelle zu ESG, Taxonomie und Berichtswesen

BREEAM kann Daten und Nachweise bereitstellen, die für ESG-Kommunikation, Investorenanforderungen, Portfolioanalysen und Nachhaltigkeitsberichte relevant sind. Dazu gehören Informationen zu Energie, CO₂-Emissionen, Wasser, Materialien, Resilienz, Gesundheit, Managementprozessen und operativer Performance. Diese Daten können die Transparenz gegenüber Eigentümern, Investoren, Mietern und weiteren Stakeholdern erhöhen.

Eine BREEAM-Zertifizierung ersetzt jedoch keine eigenständige regulatorische Prüfung. Anforderungen aus ESG-Berichtswesen, Taxonomie, nationalen Gesetzen oder unternehmensinternen Standards müssen separat geprüft und korrekt angewendet werden. BREEAM kann dafür eine strukturierte Grundlage liefern, aber nicht alle rechtlichen oder finanziellen Prüfungen übernehmen.

Aus Sicht des Facility Managements besteht der Nutzen vor allem in der Datenqualität. Wenn Verbrauchswerte, Betriebsprozesse, Wartungsinformationen und Verbesserungsmaßnahmen sauber dokumentiert sind, können sie sowohl für operative Steuerung als auch für Berichtszwecke genutzt werden. Dadurch reduziert sich der Aufwand für wiederholte Datenerhebungen und die Aussagekraft der Berichte steigt.

Schnittstelle zu CAFM, BIM und Dokumentation

Für den späteren Betrieb müssen relevante Informationen aus Planung und Bau in digitale Systeme überführt werden. Dazu gehören Anlageninformationen, Wartungsdaten, Produktdaten, Zählerstrukturen, Prüfpflichten, Garantieunterlagen, Raumdaten, technische Kennwerte und Performance-Kennzahlen. CAFM- und BIM-gestützte Prozesse können dabei helfen, diese Informationen strukturiert zu verwalten.

Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass die Datenanforderungen früh definiert werden. Werden digitale Übergaben erst am Projektende vereinbart, sind Daten häufig unvollständig, uneinheitlich oder nicht nutzbar. Deshalb sollten Informationsanforderungen in Ausschreibung, Planung, Ausführung und Abnahme verbindlich festgelegt werden.

Für das Facility Management ist nicht die maximale Datenmenge entscheidend, sondern die Nutzbarkeit der Daten. Relevante Informationen müssen auffindbar, aktuell, eindeutig zugeordnet und in operative Prozesse eingebunden sein. Nur dann unterstützen sie Wartung, Betreiberpflichten, Energiecontrolling, Mängelmanagement und strategische Gebäudeentwicklung.

Schnittstelle zu Betriebskosten und Lebenszykluskosten

BREEAM-relevante Entscheidungen beeinflussen Investitionskosten, Betriebskosten, Instandhaltungskosten, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Reinigung, Austauschzyklen und Modernisierungsfähigkeit. Deshalb sollte die Bewertung mit einer Lebenszykluskostenbetrachtung verbunden werden. Eine Maßnahme ist nur dann vollständig bewertet, wenn auch ihre langfristigen Auswirkungen berücksichtigt werden. Beispiele sind effiziente technische Anlagen, langlebige Materialien, wartungsfreundliche Konstruktionen, gute Zugänglichkeit, flexible Grundrisse und intelligente Messsysteme. Solche Maßnahmen können höhere Anfangsinvestitionen erfordern, aber über die Nutzungsdauer zu geringeren Kosten, weniger Störungen und höherer Nutzerzufriedenheit führen. Das Facility Management kann hier wesentliche Erfahrungswerte liefern. Betreiber kennen typische Kostentreiber, Störungsschwerpunkte, Wartungsaufwände und Nutzerbeschwerden. Diese Informationen sollten in Planungs- und Investitionsentscheidungen einfließen, damit Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gemeinsam gesteuert werden.

Späte Einbindung

Ein wesentliches Risiko besteht darin, BREEAM erst nach Abschluss wesentlicher Planungsentscheidungen einzubinden. In diesem Fall sind Standort, Gebäudekonzept, technische Grundstruktur, Materialstrategie oder Ausschreibungsunterlagen häufig bereits festgelegt. Viele Credits können dann nur noch eingeschränkt erreicht werden oder erfordern kostenintensive Umplanungen. Späte Einbindung führt außerdem zu Nachweisproblemen. Wenn Materialien bereits bestellt, Bauleistungen ausgeführt oder technische Systeme geplant wurden, ohne die erforderlichen BREEAM-Anforderungen zu berücksichtigen, fehlen später oft geeignete Dokumente. Dies kann das Zertifizierungsziel gefährden und zusätzlichen Aufwand in der Projektorganisation verursachen. Aus Facility-Management-Sicht ist die späte Einbindung besonders kritisch, weil betriebliche Anforderungen dann oft nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden. Fehlende Zähler, schlecht zugängliche Anlagen, unvollständige Dokumentation oder ungeeignete Wartungsflächen lassen sich nach Fertigstellung nur schwer korrigieren.

Unklare Verantwortlichkeiten

Wenn nicht eindeutig geregelt ist, wer welche Nachweise liefert, prüft und freigibt, entstehen Lücken in der Dokumentation. Dies betrifft besonders Materialnachweise, Baustellendokumentation, Energieinformationen, Inbetriebnahmeprotokolle, Nutzerinformationen und Betreiberunterlagen. Unklare Zuständigkeiten führen zu Verzögerungen, Doppelarbeit und Qualitätsverlusten.

Eine professionelle Projektorganisation benötigt daher eine klare Verantwortlichkeitsmatrix. Für jedes relevante Kriterium sollte festgelegt sein, welche Partei die Leistung plant, welche Partei den Nachweis erstellt, wer die Plausibilität prüft und wer die Freigabe erteilt. Diese Logik muss in Terminplänen und Projektbesprechungen regelmäßig nachverfolgt werden.

Für das Facility Management ist besonders wichtig, dass die Verantwortung für Betriebsunterlagen nicht erst am Ende der Bauphase entsteht. Betreiberrelevante Informationen müssen während des gesamten Projekts gesammelt und geprüft werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Betrieb nach Übergabe ohne Informationsverlust aufgenommen wird.

Zertifizierung ohne Betriebsintegration

Eine häufige Schwachstelle ist die Konzentration auf das Zertifikat ohne belastbare Überführung in den Betrieb. In solchen Fällen wird das Gebäude zwar formal bewertet, die geplanten Qualitäten werden aber im Alltag nicht konsequent überwacht oder weiterentwickelt. Dadurch können Energieverbrauch, Komfort, Anlagenbetrieb oder Managementprozesse hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Betriebsintegration bedeutet, dass BREEAM-Anforderungen in Wartungspläne, Monitoringprozesse, Nutzerkommunikation, CAFM-Daten, Betreiberhandbücher und regelmäßige Managementbewertungen übernommen werden. Ohne diese Integration bleibt die Zertifizierung punktuell und verliert an praktischer Wirkung.

Aus Sicht des Facility Managements sollte jede BREEAM-Zertifizierung mit einer Betriebsstrategie verbunden werden. Diese Strategie beschreibt, wie die Performance gemessen, bewertet und verbessert wird. Sie legt Verantwortlichkeiten, Kennzahlen, Berichtsroutinen und Eskalationswege fest.

Zielkonflikte zwischen Bewertung, Kosten und Nutzung

BREEAM-Anforderungen können mit Budget, Architektur, Flächenzielen, Nutzerwünschen, technischen Standards oder Terminanforderungen kollidieren. Zielkonflikte sind in komplexen Projekten normal, müssen jedoch transparent bewertet und entschieden werden. Werden sie nicht aktiv gesteuert, entstehen inkonsistente Lösungen und spätere Nachbesserungen.

Ein Beispiel ist die Abwägung zwischen Investitionskosten und langfristiger Betriebseffizienz. Eine günstigere technische Lösung kann zunächst wirtschaftlich erscheinen, aber später höhere Energie-, Wartungs- oder Störungskosten verursachen. Ebenso können Komfortanforderungen, Flächeneffizienz und technische Komplexität miteinander konkurrieren.

Eine professionelle BREEAM-Steuerung dokumentiert Zielkonflikte, bewertet Alternativen und trifft nachvollziehbare Entscheidungen. Das Facility Management sollte in diese Entscheidungen eingebunden sein, weil es die langfristigen Auswirkungen auf Betriebskosten, Nutzerzufriedenheit und Instandhaltungsfähigkeit beurteilen kann.

Nachweismanagement

Ein belastbares Nachweismanagement ist zentral für BREEAM. Alle relevanten Dokumente müssen vollständig, aktuell, eindeutig zuordenbar und prüffähig sein. Dazu gehören Planstände, Berechnungen, Produktdaten, Herstellererklärungen, Messberichte, Baustellenprotokolle, Abfallnachweise, Fotos, Freigaben, Inbetriebnahmeunterlagen und Übergabedokumente.

Nachweise sollten nicht unstrukturiert gesammelt werden. Erforderlich ist eine geordnete Dokumentenlogik mit klaren Bezeichnungen, Versionierung, Zuständigkeiten und Prüfschritten. So wird sichergestellt, dass der Assessor die Unterlagen effizient prüfen kann und dass die Dokumente auch für den späteren Betrieb nutzbar bleiben.

Für Facility Manager ist ein gutes Nachweismanagement zugleich eine Voraussetzung für professionelles Betreiberhandeln. Viele Dokumente, die für BREEAM relevant sind, werden auch für Wartung, Gewährleistung, Betreiberpflichten, Energiecontrolling und Mängelmanagement benötigt. Die Auditfähigkeit unterstützt somit auch die allgemeine Betriebssicherheit.

Prüf- und Freigabelogik

Für jedes relevante Kriterium sollte festgelegt werden, wann die Prüfung erfolgt, welche Nachweise erforderlich sind, wer verantwortlich ist und wie Abweichungen behandelt werden. Eine klare Prüf- und Freigabelogik reduziert das Risiko von Doppelarbeit, Nachweisverlusten und verspäteten Korrekturen.

Die Prüflogik sollte an den Projektphasen ausgerichtet sein. Manche Nachweise sind bereits in der Entwurfsplanung erforderlich, andere entstehen während der Ausführung oder bei der Inbetriebnahme. Wird der richtige Prüfzeitpunkt verpasst, kann die spätere Nachweisführung erheblich erschwert werden.

Aus Facility-Management-Sicht sollten auch Betriebsunterlagen einer formalen Prüfung unterzogen werden. Dazu gehören Wartungspläne, Anlagenlisten, Prüfpflichten, Messkonzepte, Notfallprozesse, Nutzerinformationen und digitale Daten. Eine reine Übergabe großer Dokumentenmengen ohne Qualitätsprüfung ist nicht ausreichend.

Performance-Kontrolle nach Übergabe

Die Qualitätssicherung endet nicht mit der Bauabnahme. Nach der Übergabe muss überprüft werden, ob das Gebäude die geplante Performance im Betrieb erreicht. Dazu gehören Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Nutzerkomfort, Anlagenverfügbarkeit, Wartungsqualität, Störungsdaten, Raumluftqualität und Beschwerdemanagement.

Eine strukturierte Performance-Kontrolle sollte klare Kennzahlen, Messintervalle, Verantwortlichkeiten und Berichtsroutinen enthalten. Abweichungen müssen analysiert und in konkrete Maßnahmen überführt werden. Typische Ursachen sind falsche Regelparameter, nicht angepasste Betriebszeiten, unvollständige Einweisung, Nutzerverhalten oder technische Defekte.

Für das Facility Management ist diese Phase besonders wertvoll. Sie zeigt, ob Planungsannahmen realistisch waren und ob der Betrieb weiter optimiert werden muss. Dadurch wird BREEAM zu einem Instrument der kontinuierlichen Leistungsverbesserung und nicht nur zu einem Nachweis zum Zeitpunkt der Fertigstellung.

Deliverables für Planung, Bau und Betrieb

Phase

Zentrale Deliverables

Zweck

Konzeptphase

BREEAM-Zielbild, Systemwahl, Pre-Assessment, Risikoanalyse

Frühe Steuerung von Nachhaltigkeitszielen und Machbarkeit. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für Projektorganisation, Budgetierung und Terminplanung.

Entwurfs- und Genehmigungsplanung

Kriterienmatrix, Nachweisliste, Planungsanforderungen, Verantwortlichkeitsmatrix

Integration in Fachplanung und Entscheidungsprozesse. Die Deliverables stellen sicher, dass Anforderungen in technische Lösungen und prüffähige Nachweise übersetzt werden.

Ausführungsplanung und Ausschreibung

Technische Vorgaben, Materialanforderungen, Baustellenanforderungen, Dokumentationspflichten

Vertragliche und technische Absicherung der BREEAM-Anforderungen. Die Anforderungen müssen eindeutig, kalkulierbar und durchsetzbar formuliert sein.

Bauphase

Baustellennachweise, Produktdaten, Abfallnachweise, Prüfprotokolle, Fotodokumentation

Auditfähige Dokumentation der Umsetzung. Gleichzeitig entsteht eine wichtige Grundlage für Gewährleistung, Instandhaltung und Betreiberpflichten.

Inbetriebnahme und Übergabe

Commissioning-Unterlagen, Betreiberhandbuch, Wartungspläne, CAFM-/BIM-Daten, Nutzerinformationen

Sicherstellung der Betriebsfähigkeit und Performanceübernahme. Die Unterlagen müssen geprüft, verständlich und operativ nutzbar sein.

Betrieb / Bestand

Verbrauchsdaten, Monitoringberichte, Verbesserungsplan, Benchmarkingdaten, Re-Zertifizierungsunterlagen

Kontinuierliche Optimierung und Nachweis der Betriebsperformance. Diese Deliverables unterstützen Portfolioentscheidungen, ESG-Berichte und nachhaltige Bewirtschaftung.

Die Deliverables sollten phasenbezogen geplant und nicht erst rückwirkend erstellt werden. Jede Phase erzeugt Informationen, die für spätere Entscheidungen und Nachweise benötigt werden. Eine klare Deliverable-Struktur hilft, Verantwortlichkeiten zu steuern und den Projektfortschritt objektiv zu bewerten.

Für das Facility Management sind besonders die Übergabedokumente und Betriebsdeliverables entscheidend. Sie müssen so gestaltet sein, dass sie im täglichen Betrieb verwendet werden können. Ein Betreiberhandbuch, das nur formal vorhanden ist, aber keine praktischen Informationen für Wartung, Störung, Prüfung und Nutzerbetreuung enthält, erfüllt seinen Zweck nicht.

Grundlage für nachhaltigen Gebäudebetrieb

Für das Facility Management liefert BREEAM eine strukturierte Grundlage, um Nachhaltigkeitsanforderungen in konkrete Betriebsprozesse zu übersetzen. Dies betrifft Energiecontrolling, Wartung, Reinigung, Abfallmanagement, Wasserüberwachung, Nutzerkommunikation, Komfortsicherung, Betreiberpflichten und Datenqualität.

Ein nachhaltiger Gebäudebetrieb erfordert klare Prozesse und messbare Ziele. Facility Manager müssen wissen, welche Performance erwartet wird, welche Kennzahlen relevant sind, welche Anlagen kritisch sind und welche Maßnahmen bei Abweichungen einzuleiten sind. BREEAM unterstützt diese Struktur, indem es betriebliche Themen nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Gebäudequalität und Lebenszykluswirkung betrachtet.

Der praktische Nutzen entsteht vor allem dann, wenn BREEAM-Anforderungen in Regelprozesse übernommen werden. Dazu gehören jährliche Energieberichte, Wartungsplanung, Nutzerbefragungen, Schulungen, Datenpflege, interne Audits und Verbesserungsprogramme. So wird Nachhaltigkeit Teil des täglichen Gebäudemanagements.

Unterstützung von Benchmarking und Portfolio Management

BREEAM In-Use ist besonders nützlich für Eigentümer und Betreiber, die mehrere Gebäude vergleichen, priorisieren und verbessern müssen. Durch die Bewertungs- und Benchmarkinglogik können Schwachstellen sichtbar gemacht und Investitionen gezielter gesteuert werden.

Im Portfolio Management hilft BREEAM dabei, Gebäude nach Performance, Risiko und Verbesserungspotenzial zu gruppieren. Gebäude mit hohem Energieverbrauch, schlechter Datenqualität, unzureichender Resilienz oder schwachen Managementprozessen können identifiziert und mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden. Dadurch wird die Portfolioentwicklung nachvollziehbarer und strategisch steuerbar.

Für Facility Manager schafft Benchmarking eine belastbare Grundlage für Gespräche mit Eigentümern, Asset Managern und Nutzern. Maßnahmen können nicht nur mit subjektiven Einschätzungen begründet werden, sondern mit vergleichbaren Daten und dokumentierten Abweichungen. Dies verbessert die Entscheidungsqualität und erhöht die Akzeptanz für Investitionen.

Verbindung von Nutzerkomfort und technischer Performance

Ein zukunftsfähiges Gebäude muss nicht nur effizient, sondern auch gesund, nutzbar und komfortabel sein. BREEAM unterstützt die strukturierte Betrachtung von Raumqualität, Tageslicht, Raumluft, Akustik, thermischem Komfort, Bedienbarkeit und Nutzerinformation. Diese Themen haben direkten Einfluss auf Zufriedenheit, Produktivität und Flächenakzeptanz.

Technische Performance und Nutzerkomfort müssen gemeinsam gesteuert werden. Ein Gebäude kann sehr energieeffizient betrieben werden, aber dennoch unzureichenden Komfort bieten. Umgekehrt kann ein hoher Komfortanspruch zu erhöhtem Energieverbrauch führen, wenn die Anlagen nicht richtig geregelt oder Nutzer nicht ausreichend informiert sind.

Das Facility Management hat hier eine Ausgleichsfunktion. Es überwacht technische Kennzahlen, nimmt Nutzerfeedback auf, analysiert Beschwerden und passt Betriebsparameter an. Eine gute BREEAM-orientierte Betriebsführung sucht nicht nach Einzellösungen, sondern nach einem stabilen Gleichgewicht zwischen Effizienz, Komfort und Betriebssicherheit.

Beitrag zur Werterhaltung

BREEAM kann zur Werterhaltung beitragen, weil die Bewertung Aspekte wie Energieeffizienz, Resilienz, Materialqualität, Betriebsmanagement, Dokumentation und Anpassungsfähigkeit systematisch betrachtet. Diese Faktoren beeinflussen die langfristige Markt- und Nutzungsfähigkeit eines Gebäudes.

Gebäude, die schlecht dokumentiert, energieintensiv, technisch unflexibel oder klimatisch anfällig sind, haben ein höheres Risiko funktionaler, regulatorischer oder marktbezogener Obsoleszenz. BREEAM hilft, solche Risiken frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren.

Für Eigentümer und Facility Manager bedeutet dies, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine ökologische Aufgabe ist. Sie ist auch ein Beitrag zu Werterhalt, Vermietbarkeit, Betriebssicherheit und Investitionsschutz. Ein gut bewirtschaftetes und nachweislich leistungsfähiges Gebäude ist langfristig besser positioniert.

Technische und ökologische Kennzahlen

Geeignete technische und ökologische Kennzahlen umfassen Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallmengen, Recyclingquoten, Innenraumkomfort, Anlagenverfügbarkeit, Wartungsrückstände, Störungsquoten und Verbrauch je Fläche oder Nutzungseinheit. Diese Kennzahlen sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Zusammenhang mit Nutzung, Betriebszeiten, Belegung, Gebäudetyp und klimatischen Bedingungen.

Für das Facility Management ist die Qualität der Messdaten entscheidend. Zähler müssen sinnvoll strukturiert, regelmäßig ausgelesen und plausibilisiert werden. Ohne belastbare Daten lassen sich Einsparpotenziale, Fehlverbräuche oder technische Abweichungen nur schwer erkennen. Besonders wichtig sind Haupt- und Unterzähler für Energie und Wasser, damit Verbräuche einzelnen Bereichen, Anlagen oder Nutzungsarten zugeordnet werden können.

Technische Kennzahlen sollten regelmäßig bewertet und in Maßnahmen überführt werden. Ein hoher Energieverbrauch ist nur dann steuerbar, wenn Ursachen analysiert werden. Mögliche Ursachen sind längere Betriebszeiten, falsche Regelparameter, Defekte, Nutzerverhalten, ungeeignete Sollwerte oder nicht abgestimmte technische Systeme.

Management- und Prozesskennzahlen

Für das Facility Management sind zusätzlich Prozesskennzahlen relevant. Dazu gehören Vollständigkeit der Dokumentation, Bearbeitungszeiten für Mängel und Störungen, Erfüllungsgrad von Wartungsplänen, Aktualität von CAFM-Daten, Anzahl offener Prüfpflichten, Nutzerfeedback, Schulungsstand von Betriebspersonal und Umsetzungsstand von Verbesserungsmaßnahmen.

Diese Kennzahlen zeigen, ob Managementprozesse tatsächlich funktionieren. Ein Gebäude kann technisch gut ausgestattet sein, aber dennoch schlecht performen, wenn Wartungen verspätet erfolgen, Daten nicht gepflegt werden oder Störungen nicht systematisch ausgewertet werden. Managementkennzahlen machen solche Schwächen sichtbar.

Wichtig ist, dass Prozesskennzahlen regelmäßig berichtet und bewertet werden. Sie sollten nicht nur intern dokumentiert, sondern für Entscheidungen genutzt werden. Wenn beispielsweise Mängelbearbeitungszeiten steigen oder CAFM-Daten veralten, muss das Facility Management Ursachen klären und Gegenmaßnahmen einleiten.

Portfolio- und Benchmarkingkennzahlen

Im Portfolio Management können BREEAM-Ergebnisse genutzt werden, um Gebäude nach Performance, Risiko, Investitionsbedarf und Verbesserungspotenzial zu clustern. Dies unterstützt strategische Entscheidungen zu Sanierung, Modernisierung, Desinvestition, Nutzerbindung und ESG-orientierter Portfolioentwicklung.

Geeignete Portfolio-Kennzahlen sind beispielsweise Energieintensität je Gebäudetyp, CO₂-Emissionen je Fläche, Wasserverbrauch je Nutzungseinheit, Zertifizierungsstatus, Reifegrad der Betriebsprozesse, Investitionsbedarf, technische Risiken, Resilienzindikatoren und Datenvollständigkeit. Diese Kennzahlen ermöglichen einen strukturierten Vergleich unterschiedlicher Objekte.

Für Facility Manager und Asset Manager ist wichtig, dass Benchmarking nicht nur Ranglisten erzeugt. Es soll konkrete Entscheidungen unterstützen. Gebäude mit schwacher Performance benötigen klare Verbesserungspläne, Budgetansätze und Verantwortlichkeiten. Gebäude mit guter Performance können als Referenz für andere Standorte dienen.

Strategische Einordnung

Zunächst sollte geklärt werden, warum BREEAM eingesetzt wird. Mögliche Ziele sind Zertifizierung, ESG-Nachweis, Investorenkommunikation, Betriebsoptimierung, Bestandsbenchmarking, Risikoreduzierung oder Qualitätssteuerung. Die Begründung beeinflusst Systemwahl, Bewertungsniveau, Datenanforderungen, Projektorganisation und interne Verantwortlichkeiten.

Die strategische Einordnung sollte mit den übergeordneten Zielen des Eigentümers oder Unternehmens verbunden werden. Wenn ein Portfolio dekarbonisiert werden soll, müssen Energie- und CO₂-Daten besonders stark gewichtet werden. Wenn ein Gebäude langfristig im Bestand gehalten wird, gewinnen Betriebskosten, Wartbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Nutzerzufriedenheit besondere Bedeutung.

Aus Facility-Management-Sicht sollte die strategische Einordnung auch den späteren Betrieb berücksichtigen. Es muss klar sein, welche Ergebnisse nach der Zertifizierung weitergeführt werden und wie sie in Betriebsprozesse, Berichtswesen und Verbesserungsprogramme einfließen.

Operative Umsetzung

Die operative Umsetzung sollte über eine Kriterienmatrix, Terminplanung, Nachweislogik, Verantwortlichkeitszuordnung und regelmäßige Statusprüfung erfolgen. Dadurch wird BREEAM Teil der Projektsteuerung und nicht nur ein paralleler Zertifizierungsprozess. In der Praxis sollte jede relevante Anforderung einer verantwortlichen Person oder Organisationseinheit zugeordnet werden. Gleichzeitig müssen Fristen, erforderliche Dokumente, Prüfschritte und Abhängigkeiten definiert werden. Regelmäßige Statusbesprechungen helfen, Risiken früh zu erkennen und Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Das Facility Management sollte in der operativen Umsetzung besonders auf die Übergabefähigkeit achten. Alle Informationen, die im Betrieb benötigt werden, müssen rechtzeitig spezifiziert und geprüft werden. Dazu gehören Anlagenlisten, Wartungspläne, Prüfpflichten, Zählerdaten, Bedienungsanleitungen, Nutzerinformationen und digitale Datensätze.

Langfristige Fortschreibung

Nach Abschluss von Planung und Bau sollte BREEAM in das Betriebsmonitoring überführt werden. Die Ergebnisse der Zertifizierung können als Ausgangspunkt für Verbesserungspläne, Nutzerkommunikation, Energieoptimierung, Re-Zertifizierung und Portfolio-Benchmarking dienen.

Die langfristige Fortschreibung erfordert regelmäßige Datenerhebung, Bewertung und Maßnahmenverfolgung. Energie- und Wasserverbräuche, Störungen, Wartungserfüllung, Nutzerfeedback und Komfortdaten sollten kontinuierlich analysiert werden. Abweichungen müssen dokumentiert und mit konkreten Verantwortlichkeiten versehen werden.

Für das Facility Management bedeutet dies, dass BREEAM nicht als abgeschlossenes Projekt betrachtet werden sollte. Der Bewertungsrahmen kann vielmehr als dauerhaftes Steuerungsinstrument genutzt werden, um Gebäudequalität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus zu verbessern.