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Gliederung von Bauprojekten

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Gliederung von Bauprojekten für strukturierte Planung und erfolgreiche Umsetzung

Zeitliche Gliederung von Bauprojekten und ihr Bezug zum pbFM

Bauprojekte werden zeitlich in aufeinander aufbauende Phasen gegliedert. Diese Struktur schafft Entscheidungs-, Planungs- und Freigabepunkte und ermöglicht es, Kosten, Termine, Qualitäten und Verantwortlichkeiten kontrolliert zu entwickeln. Für das planungs- und baubegleitende Facility Management ist diese Gliederung besonders wichtig, weil sich seine Aufgaben im Verlauf des Projekts deutlich verändern.

In den frühen Phasen stehen Bedarf, Betriebsziele und Lebenszyklusanforderungen im Mittelpunkt. Während der Planung werden diese Anforderungen in bauliche, technische und organisatorische Lösungen übersetzt. In Vergabe und Ausführung sichert das pbFM ihre vertragliche und tatsächliche Umsetzung. Gegen Projektende verlagert sich der Schwerpunkt auf Inbetriebnahme, Datenübernahme, Betreiberorganisation und Betriebsbereitschaft. Im anschließenden Betrieb werden die Ergebnisse überprüft und weiterentwickelt.

Strukturierte Bauprojekte erfolgreich organisieren

Überblick über die zeitliche Zuordnung

STEP

Projekt- beziehungsweise HOAI-Bezug

Schwerpunkt des pbFM

1

Phase 0 – Bedürfnisformulierung

Projektziele, Kerngeschäft und Betriebsstrategie

2

LPH 1 – Grundlagenermittlung

Nutzer- und Betreiberbedarf

3

Auswahl- und Organisationsphase

Projektorganisation und FM-Kompetenz

4

LPH 2 – Vorplanung

Betriebskonzepte und Variantenvergleich

5

LPH 3 – Entwurfsplanung

Konkretisierung und Freigabe der FM-Anforderungen

6

LPH 4 – Genehmigungsplanung

Genehmigungs- und Betreiberanforderungen

7

LPH 5 – Ausführungsplanung

Betriebliche Detail- und Schnittstellenprüfung

8

LPH 6 – Vorbereitung der Vergabe

Überführung der Anforderungen in Leistungsbeschreibungen

9

LPH 7 – Mitwirkung bei der Vergabe

Angebots- und Vergabeprüfung

10

LPH 8 – Vorbereitung der Ausführung

Qualitätssicherungs- und Inbetriebnahmeplanung

11

LPH 8 – Bauausführung

Ausführungsbegleitung, Tests und Betriebsvorbereitung

12

LPH 9 – Objektbetreuung

Übernahme, Inbetriebnahme und Hochlauf

13

Betrieb

Regelbetrieb und Optimierung

14

Erhaltung

Instandhaltung, Erneuerung und Anpassung

STEP 1: Projektinitiierung und Phase null

Vor der eigentlichen Gebäudeplanung werden die wirkungsstärksten Entscheidungen getroffen. In dieser Phase werden Projektanlass, Standort, Nutzung, Flächenstrategie, Investitionsrahmen und grundsätzliche Realisierungsalternativen festgelegt.

Das pbFM untersucht, welche Anforderungen sich aus Kerngeschäft, Nutzung und späterem Betrieb ergeben. Dazu gehören Verfügbarkeit, Flexibilität, Sicherheitsniveau, Energieziele, Betreiberorganisation und erwartete Lebenszykluskosten.

Wesentliche Ergebnisse sind:

  • strategisches Nutzer- und Betreiberzielbild,

  • erste Betriebs- und Nutzungsszenarien,

  • Kritikalitäts- und Verfügbarkeitsanforderungen,

  • erste Flächen- und Kapazitätsbedarfe,

  • Lebenszyklus- und Nachhaltigkeitsziele,

  • Anforderungen an Digitalisierung und Daten,

  • FM-bezogene Projektrisiken.

In dieser Phase ist die Beeinflussbarkeit besonders hoch. Gleichzeitig sind Informationen noch unvollständig. Das pbFM muss daher mit Szenarien, Annahmen und belastbaren Zielkorridoren arbeiten.

STEP 2: Grundlagenermittlung

In der Grundlagenermittlung werden Projektziele und Rahmenbedingungen konkretisiert. Das pbFM baut eine strukturierte Nutzer- und Betreiberbedarfsplanung auf.

Zu klären sind insbesondere:

  • Nutzergruppen und Geschäftsprozesse,

  • Betriebs- und Nutzungszeiten,

  • Personen-, Material- und Informationsflüsse,

  • Sicherheits-, Hygiene- und Verfügbarkeitsanforderungen,

  • Flächen- und Funktionsbeziehungen,

  • Betreiberpflichten,

  • vorgesehenes Eigen- und Fremdleistungsmodell,

  • Anforderungen an Wartung, Reinigung und Logistik.

Die Ergebnisse werden in einem Nutzer- und Betreiberbedarfsprogramm festgehalten. Anforderungen müssen priorisiert und möglichst prüfbar formuliert werden. Damit entsteht die Referenz für alle späteren Planungs- und Qualitätsprüfungen.

STEP 3: Auswahl- und Organisationsphase

Zwischen Grundlagenermittlung und Vorplanung können Auswahlverfahren für Planer, Projektpartner oder Realisierungsmodelle stattfinden. Aus Sicht des pbFM ist zu prüfen, ob die erforderliche FM-, Betriebs- und Inbetriebnahmekompetenz in der Projektorganisation vorhanden ist.

Das pbFM unterstützt bei:

  • Definition der FM-bezogenen Planungsleistungen,

  • Abgrenzung der Verantwortlichkeiten,

  • Entwicklung einer Projekt- und Kommunikationsstruktur,

  • Formulierung von Auswahl- und Eignungskriterien,

  • Bewertung der Betriebs- und Lebenszykluskompetenz,

  • Festlegung von Prüf-, Freigabe- und Entscheidungswegen.

Bereits in den Planerverträgen sollten Anforderungen an betriebliche Planungsprüfungen, Datenlieferung, Dokumentation, Inbetriebnahme und Mitwirkung an integralen Tests verankert werden.

STEP 4: Vorplanung

In der Vorplanung werden grundsätzliche Lösungsvarianten entwickelt. Hier besitzt das pbFM weiterhin erheblichen Einfluss auf Flächen, Technik und späteren Betrieb.

Bewertet werden insbesondere:

  • Funktions- und Flächenkonzepte,

  • Erschließungs- und Logistiklösungen,

  • technische Versorgungskonzepte,

  • Verfügbarkeits- und Redundanzvarianten,

  • Betriebs-, Wartungs- und Reinigungskonzepte,

  • Gebäudeautomation und Messstruktur,

  • Anpassungs- und Erweiterungsfähigkeit,

  • Investitions- und Lebenszykluskosten.

Die Varianten sollten nicht allein nach Herstellungskosten beurteilt werden. Energie, Personal, Wartung, Prüfaufwand, Ausfallrisiken und spätere Veränderungskosten sind einzubeziehen.

Am Ende der Vorplanung sollte ein belastbares Betriebskonzept vorliegen, das mit dem bevorzugten baulichen und technischen Konzept übereinstimmt.

STEP 5: Entwurfsplanung

In der Entwurfsplanung werden die Systeme und Lösungen soweit konkretisiert, dass wesentliche Qualitäts-, Kosten- und Funktionsentscheidungen getroffen werden können. Für das pbFM ist dies eine zentrale Prüf- und Freigabephase.

Typische Prüfinhalte sind:

  • Umsetzung des Nutzer- und Betreiberbedarfs,

  • Dimensionierung und Anordnung technischer Anlagen,

  • Wartungs- und Bedienzugänge,

  • Einbringungs- und Austauschwege,

  • Raum- und Anlagenkennzeichnung,

  • Mess-, Zähler- und Automationskonzept,

  • Technik-, Lager- und Serviceflächen,

  • Schnittstellen zwischen Bau, Technik, IT und Betrieb,

  • Instandhaltungs- und Betriebskosten.

Abweichungen vom Bedarfsprogramm müssen transparent dokumentiert und freigegeben werden. Nach Abschluss der Entwurfsplanung sind grundlegende Änderungen meist nur noch mit erheblichen Kosten- und Terminfolgen möglich.

STEP 6: Genehmigungsplanung

Die Genehmigungsplanung konzentriert sich auf die öffentlich-rechtliche Zulässigkeit des Vorhabens. Das pbFM prüft ergänzend, welche Genehmigungen, Auflagen und Nachweise später den Betrieb beeinflussen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Genehmigungs- und Nebenbestimmungen,

  • prüfpflichtige Anlagen,

  • erforderliche Sachverständigenprüfungen,

  • Brandschutz- und Evakuierungsorganisation,

  • Umwelt-, Immissions- und Gewässerschutzanforderungen,

  • Hygiene- und Arbeitsschutzanforderungen,

  • wiederkehrende Prüf- und Dokumentationspflichten.

Behördliche Auflagen sind nicht nur planerisch umzusetzen. Sie müssen später in Betreiberpflichten, Prüfkalender und Betriebsanweisungen überführt werden.

STEP 7: Ausführungsplanung

In der Ausführungsplanung werden die Lösungen detailliert und baubar dargestellt. Der Spielraum für grundlegende Veränderungen ist inzwischen deutlich reduziert. Das pbFM konzentriert sich daher auf die betriebliche Detailqualität und die Beherrschung von Schnittstellen.

Geprüft werden unter anderem:

  • konkrete Wartungs- und Arbeitsbereiche,

  • Lage von Absperr-, Mess- und Bedieneinrichtungen,

  • Zugänglichkeit von Filtern, Ventilen und Komponenten,

  • Möglichkeiten zur Demontage und zum Austausch,

  • Positionen von Revisionsöffnungen,

  • Anlagen- und Raumkennzeichnung,

  • Datenpunkt- und Funktionslisten,

  • Reinigungs- und Bewirtschaftungsfähigkeit,

  • Detailausbildung von Technik- und Betriebsräumen.

Die Prüfungen sollten risikoorientiert erfolgen. Vorrang haben geschäftskritische, sicherheitsrelevante oder besonders instandhaltungsintensive Bereiche.

STEP 8: Vorbereitung der Vergabe

In dieser Phase müssen die freigegebenen FM-Anforderungen vollständig in Ausschreibungs- und Vertragsunterlagen überführt werden. Anderenfalls verlieren sie ihre Verbindlichkeit.

Das pbFM prüft insbesondere:

  • Leistungsumfang und Leistungsgrenzen,

  • betriebliche Qualitätsanforderungen,

  • Wartungs- und Bedienzugänglichkeit,

  • Dokumentations- und Datenanforderungen,

  • Anlagenkennzeichnung,

  • Prüfungen und Funktionsnachweise,

  • Einregulierung und Probebetrieb,

  • Schulungen und Einweisungen,

  • Ersatzteil- und Betriebsmittelversorgung,

  • Mitwirkung an integralen Tests.

Auch der zeitliche Lieferplan für Dokumente und Daten ist vertraglich festzulegen. Eine pauschale Forderung nach vollständiger Dokumentation zum Projektende reicht nicht aus.

STEP 9: Mitwirkung bei der Vergabe

Im Rahmen der Vergabe bewertet das pbFM, ob die angebotenen Lösungen und Leistungen den Nutzer- und Betreiberanforderungen entsprechen.

Dabei werden geprüft:

  • technische und funktionale Gleichwertigkeit,

  • Wartungs- und Instandhaltungsaufwand,

  • Energie- und Medienbedarf,

  • Ersatzteil- und Serviceverfügbarkeit,

  • Systemoffenheit und Schnittstellen,

  • Dokumentations- und Datenqualität,

  • Unterstützungsleistungen bei Inbetriebnahme und Hochlauf,

  • Lebenszykluskosten und betriebliche Risiken.

Alternativangebote und Einsparvorschläge sind sorgfältig zu bewerten. Eine Reduzierung der Investitionskosten kann zu höheren Betriebskosten oder einer Einschränkung der Verfügbarkeit führen.

STEP 10: Vorbereitung der Bauausführung

Vor Beginn beziehungsweise zu Beginn der Ausführung werden die Qualitätssicherung, Dokumentation und spätere Inbetriebnahme organisatorisch vorbereitet.

Das pbFM entwickelt oder konkretisiert:

  • FM-Qualitätssicherungsplan,

  • Prüf- und Freigabematrix,

  • Bemusterungs- und Begehungskonzept,

  • Dokumentationslieferplan,

  • Anlagenkennzeichnungs- und Datenkonzept,

  • Inbetriebnahme- und Testszenarien,

  • Konzept für Probebetrieb und Objektübernahme,

  • Terminplan für Betreiberbeschaffung und Mobilisierung.

Wichtig ist die Festlegung kritischer Haltepunkte. Bestimmte Ausführungen sollten erst fortgesetzt oder geschlossen werden, wenn betriebsrelevante Details geprüft wurden.

STEP 11: Bauausführung

Während der Bauausführung verlagert sich das pbFM von der konzeptionellen Einflussnahme auf Qualitätssicherung, Dokumentationssteuerung und Betriebsvorbereitung.

Zu den Aufgaben gehören:

  • betriebsorientierte Baustellenbegehungen,

  • Teilnahme an Bemusterungen,

  • Prüfung von Wartungs- und Bedienzugängen,

  • Verfolgung der Anlagenkennzeichnung,

  • Kontrolle der schrittweisen Dokumentationslieferung,

  • Begleitung von Funktionsprüfungen,

  • Bewertung betriebsrelevanter Änderungen,

  • Aufbau der Betreiberorganisation,

  • Vergabe und Mobilisierung der Facility Services,

  • Einrichtung von CAFM und Service Desk.

Die spätere Betreiberorganisation sollte bereits an ausgewählten Begehungen und Inbetriebnahmen teilnehmen. So wird Wissen aus dem Projekt in den Betrieb übertragen.

STEP 12: Inbetriebnahme, Abschluss und Objektbetreuung

Mit Fertigstellung müssen technische Anlagen, Dokumentation, Personal, Dienstleister und Betriebsprozesse zusammengeführt werden. Diese Phase darf nicht auf die formale Abnahme reduziert werden.

Das pbFM unterstützt insbesondere:

  • Einzel- und Verbundfunktionsprüfungen,

  • integrale Tests,

  • Einregulierung und Probebetrieb,

  • Prüfung der betrieblichen Mindestdokumentation,

  • Datenübernahme in CAFM und Betriebssysteme,

  • Einweisung und Schulung des Betriebspersonals,

  • Bewertung der betrieblichen Übernahmebereitschaft,

  • Übergabe von Mängeln und Restleistungen,

  • Aufbau des Gewährleistungsmanagements.

STEP 13: Betrieb

Mit der Nutzungsaufnahme beginnt der eigentliche Wertschöpfungszeitraum der Immobilie. Das pbFM geht in den Hochlauf beziehungsweise das reguläre Facility Management über.

In der Hochlaufphase werden insbesondere ausgewertet:

  • technische Störungen,

  • Nutzerbeschwerden,

  • Raumklima und Komfort,

  • Energie- und Medienverbräuche,

  • Anlagenverfügbarkeit,

  • Qualität der Dienstleister,

  • Vollständigkeit der Daten,

  • offene Mängel und Gewährleistungsfälle.

Planungsannahmen werden mit realen Betriebsdaten verglichen. Einstellungen, Zeitprogramme und Prozesse sind gegebenenfalls zu optimieren. Eine strukturierte Nutzungsevaluation liefert zugleich Erkenntnisse für spätere Projekte.

STEP 14: Erhaltung und Weiterentwicklung

Die Erhaltung umfasst Instandhaltung, Instandsetzung, Modernisierung und Anpassung an veränderte Nutzungsanforderungen. Mit größeren Umbauten oder Erneuerungen beginnt faktisch ein neuer Projektzyklus.

Das Facility Management stellt hierfür bereit:

  • aktuelle Bestands- und Betriebsdaten,

  • Zustandsbewertungen,

  • Störungs- und Instandhaltungshistorien,

  • Energie- und Verbrauchsdaten,

  • Erkenntnisse aus Betreiberpflichten und Prüfungen,

  • Kosten- und Lebenszyklusprognosen,

  • Anforderungen aus veränderter Nutzung.

Dadurch wird der Betrieb zur Informationsquelle für neue Bedarfs- und Planungsentscheidungen. Ein wirksames pbFM endet daher nicht mit der Übergabe, sondern schafft die Voraussetzungen für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Immobilie.

Phasenübergreifende Steuerung

Die zeitliche Gliederung darf nicht zu isolierten Arbeitspaketen führen. Nutzer- und Betreiberanforderungen müssen über alle Phasen hinweg verfolgt werden:

A["Bedarf"] --> B["Planung"]

B --> C["Vergabe"]

C --> D["Ausführung"]

D --> E["Übernahme"]

E --> F["Betrieb und Erhaltung"]

Für jeden Phasenübergang empfiehlt sich ein formaler Freigabepunkt. Dabei wird geprüft:

  • Sind die vorgesehenen Ergebnisse vollständig?

  • Sind offene Punkte dokumentiert und bewertet?

  • Wurden Nutzer- und Betreiberanforderungen nachgewiesen?

  • Sind Kosten-, Termin- und Betriebsfolgen bekannt?

  • Kann die nächste Phase ohne unvertretbare Risiken beginnen?

Das pbFM ist somit kein zusätzliches Leistungspaket am Ende des Bauprojekts. Es ist ein durchgängiger Integrationsprozess, dessen Aufgaben sich im Zeitverlauf verändern. Seine größte wirtschaftliche Wirkung entsteht in den frühen Phasen; seine größte operative Bedeutung zeigt sich bei Inbetriebnahme, Übernahme und Hochlauf. Erst die kontinuierliche Verbindung dieser Phasen schafft eine Immobilie, die nicht nur geplant und gebaut, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus sicher und wirtschaftlich betrieben werden kann.