Betreiberanforderungskatalog als Grundlage betriebsfähiger Planung
Der Betreiberanforderungskatalog beschreibt die Anforderungen, die sich aus dem späteren Betrieb eines Gebäudes an Planung, Bau und technische Ausrüstung ergeben. Er übersetzt Erfahrungen und Notwendigkeiten des Facility Managements in konkrete Vorgaben für Planer, Projektsteuerung und ausführende Unternehmen.
Damit wird vermieden, dass betriebliche Anforderungen erst kurz vor Übergabe oder Inbetriebnahme berücksichtigt werden.
Betreiberanforderungen frühzeitig und verbindlich definieren
Viele spätere Betriebsprobleme entstehen bereits während der Planung. Fehlende Wartungsflächen, schlecht erreichbare Komponenten, ungeeignete Absperrmöglichkeiten oder unvollständige Anlagendokumentationen lassen sich nach Fertigstellung häufig nur mit erheblichem Aufwand korrigieren.
Der Betreiberanforderungskatalog sollte deshalb frühzeitig Anforderungen definieren zu:
Wartungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit,
Zugänglichkeit technischer Anlagen,
Anlagenkennzeichnung,
Mess-, Prüf- und Absperrmöglichkeiten,
Ersatzteil- und Standardisierungsgrundsätzen,
Betreiber- und Arbeitssicherheit,
Energie- und Medienverbrauch,
Reinigung und Zugänglichkeit,
Dokumentation und Datenstruktur sowie
Anforderungen an CAFM und BIM-to-FM.
Anforderungen prüfbar formulieren
Allgemeine Aussagen wie „wartungsfreundlich ausführen“ reichen für eine wirksame Planungssteuerung nicht aus.
Anforderungen sollten möglichst konkret und überprüfbar beschrieben werden. Statt lediglich gute Zugänglichkeit zu fordern, kann beispielsweise festgelegt werden, welche Bedien-, Wartungs- und Austauschflächen dauerhaft freizuhalten sind oder welche Komponenten ohne Demontage anderer Bauteile erreichbar sein müssen.
Aus einem Wunsch wird damit ein prüfbares Planungskriterium.
Betreiberwissen systematisch einbringen
Der Katalog sollte Erfahrungen aus dem bestehenden Gebäudebetrieb berücksichtigen. Wiederkehrende Störungen, hohe Wartungskosten, problematische Fabrikate, schwer zugängliche Anlagen oder aufwendige Reinigungsbereiche liefern wertvolle Hinweise für neue Projekte.
Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess:
Änderungen der Planung müssen daraufhin bewertet werden, ob bereits abgestimmte Betreiberanforderungen betroffen sind.
Wirtschaftlichkeit über den Lebenszyklus berücksichtigen
Betreiberanforderungen dienen nicht ausschließlich der technischen Qualität. Sie beeinflussen langfristig Personalaufwand, Wartung, Energieverbrauch, Störungsrisiken und Ersatzinvestitionen.
Der Betreiberanforderungskatalog schafft deshalb eine Verbindung zwischen Investitionsentscheidung und späteren Betriebskosten.
Ziel ist ein Gebäude, das nicht nur plan- und baubar ist, sondern nach Übergabe sicher, wirtschaftlich, wartbar und mit vertretbarem Aufwand betrieben werden kann. Der Betreiberanforderungskatalog macht diese Zielsetzung frühzeitig zu einem verbindlichen Bestandteil des Bauprojekts.